Online Kongresse – können nerven, oder?

Wie geht es Dir mit der Schwemme an Online Kongressen? Sie scheinen ja wie Pilze aus dem Boden zu schießen.

Viele haben irgendwie überlappende oder identische Themen und meist sind immer wieder die selben Gesichter, als Sprecher dort zu sehen, nicht wahr?

Auch ich bin immer wieder als Expertin geladen und möchte meine Sicht der Dinge hier aufschreiben.
Denn ich bin mit mir immer wieder im Zwiespalt, wie ich das denn nun betrachte und damit umgehen will.
Und immer wieder werde ich von Menschen angeschrieben, die mir ein Feedback geben – daher dachte ich einfach, ich schreibe meine Gedanken auf. (Am Ende des Posts kannst Du auch ein Video sehen mit mir, bei dem ich darüber spreche).
Ich meine es dabei nicht böse, sondern sehe das eher mit einem Augenzwinkern (zumindest das Meiste).
Ich liebe es zu inspirieren und zu sprechen. Wie Du auch hier sehen kannst, als ich im Nachtcafe beim SWR zu Gast war.

Ursprung der Kongresse

Meines Wissens kommen die Kongresse aus den USA. Und dadurch haben sie einfach diesen USA Touch. Sie wurden hier 1:1 eingeführt und man hat in meinen Augen versäumt, sie zu „entamerikanisieren“. Genau das stößt vielen Leuten auf. Es wirkt irgendwie aufgesetzt und fremd und – nervig!

Ablauf der Kongresse

Es gibt immer den Kongressveranstalter.
Hinter diesem Veranstalter steht jedoch fast immer einer, der ihm erklärt, wie er einen Kongress veranstalten kann.
Das lässt sich der Veranstalter des veranstalteten Veranstalters meist recht gut bezahlen – meines Wissens bezahlen die meisten für diesen Service um die 4000 – 10 000 Euro! Wer wirklich und mit Sicherheit an den Kongressen verdienen dürfte, sind die, die genau das (teuer?) verkaufen?
Mich hat es damals schockiert, als ich erfuhr, dass viele Kongressveranstalter also mehrere 1000 Euro vorschießen, um dann einen Kongress zu rocken. Es liegt also ein (für mich) ziemlich hohes Risiko in solchen Kongressen. Denn für sie bedeutet es, dass sie mindestens um die 4000 – 10 000 Euro einnehmen und Gewinn machen müssen, um diese Unkosten wieder einzufahren!
Kongressveranstalter haben ein Risiko. Sie geben sehr viel Energie, Zeit und Geld in diese Veranstaltung hinein. Das alles ohne Sicherheiten.

Sinn der Kongresse

Der Sinn der Kongresse ist meines Erachtens das Aufbauen einer Mailliste. Emailadressen sind Geld wert, weil es potentielle Kunden sind. Darum geht es in meinen Augen. Menschen geben freiwillig ihre Emailadresse und bekommen als Gegenleistung die Interviews.
Ähnliches Konstrukt wie bei vielen Webseiten. Wenn man sich dort in den Newsletter einträgt, bekommt man ein feines Geschenk. Meist in Form eines Ebooks.
Das ist eine gängige Marketing Strategie.
Da sich nur Menschen anmelden, die sich für das jeweilige Thema interessieren, sind diese Menschen eventuelle Kunden, die im Nachzug dann immer wieder angeschrieben werden. Mit diesen Anschreiben werden meist Folgeprodukte beworben in der Hoffnung, dass sich aus dem Kundenstamm Menschen finden, die diese auch käuflich erwerben.

Genau hier wird es dann für viele super nervig. Einige Kongressveranstalter „spamen“ regelrecht ihre Newsletter Liste zu. Und es wird dann für andere Kongresse geworben. Und wehe man trägt sich dann dort auch ein. Dann hat man irgendwann einen platzenden Emailbriefkasten!

Natürlich ist der Sinn eines Kongresses auch Wissens und Erfahrungesvermittlung. Was nun Mittel zum Zweck ist, kann ich nicht abschließend beurteilen? Ist der eigentliche Sinn wirklich der inhaltliche Austausch, oder aber die Mailliste? Oder ergibt sich die Mailliste nur aus dem Procedere?

Briefkasten

Experten:

Ich selbst bin ja immer wieder als Expertin zu sehen und zu hören. Das kann toll sein, aber genauso auch nerven.
Die Experten bekommen kein Geld für das Interview. Wir haben aber die Möglichkeit, den Kongress zu bewerben. Wenn sich jemand über unseren Link anmeldet und das Kongress Paket kauft, erhalten wir von diesem Verkauf eine Provision.
Wer also eine Mailliste mit 100 000 Menschen hat, hat natürlich mehr Leute, die das Kongress Paket erwerben, als jemand mit nur 10 Menschen in der Mailliste.
Beide haben den selben Aufwand, das Interview zu geben.

Ich persönlich sehe da eine Ungleichheit und würde mir wünschen, dass ein Kongress eine gemeinsame Veranstaltung ist. Also etwas so, dass alle Redner gemeinsam mit dem Veranstalter zusammenstehen. Und demnach dann auch die Gewinne fair verteilt werden.
Und in meinen Augen wäre es fair, wenn alle Experten die selbe Gage erhalten. Denn alle haben den selben Aufwand.

Und noch besser fände ich es, wenn ein Teil des Ganzen Gewinns einem Themen nahen Projekt zu Gute kommen würde.
Alles meine Ideen und Vorschläge, die mir so durch den Kopf laufen.

Kritikpunkte

Es gibt diverse Kritikpunkte, die ich immer wieder höre. Hier möchte ich nur ein paar komprimiert zusammenfassen:

  • Der Kongress wird als kostenlos beworben. Er ist es aber nur scheinbar bzw. nur für die, die die Zeit haben alle Videos direkt anzusehen.
    Warum wird nicht von Vornherein ein Eintrittsgeld genommen? Das wäre authentischer und aufrichtiger. Man bietet als Veranstalter und als Sprecher eine „Ware“. Warum sollte der, der sie konsumiert, nicht auch dafür einen Wertausgleich in Form von Euro geben?
    Wo ist die eigene Wertschätzung von den Kongressen?
  • Die viele Werbung nervt. Sämtliche Social Media Gruppen werden mit neuen Kongressankündigungen gefüllt und überfüllt. Auch die Newsletter werden geflutet. Menschen werden dadurch immer mehr abgeschreckt und weggestoßen!
    Würde man ein Eintrittsgeld nehmen, könnte man dosiert und zielgerichtet Werbung machen, die weniger aufdringlich wirkt.
  • Die typische amerikanische Werbeart nervt. „klick hier“, „kauf jetzt“, irgendwelche Countdowns oder das „Freischalten der besten drei Videos am Ende des Kongresses“, wird bei den meisten eher als primitiv wahrgenommen.
    Viele Kongresse haben einen sehr hohen Anspruch und bearbeiten Themen der Bewusstwerdung. Da sind dann solche Vorgehensweisen irgendwie fehl am Platz.
    Dieses hecheln nach Käufern könnte man umgehen, in dem man eben von Anfang an klare Verhältnisse schafft und Eintrittsgelder veranschlagt!
Zusammenfassung

Ich finde die Kongresse an sich eine tolle Sache.
Der Kongressveranstalter kann einen Raum schaffen für Menschen, die sich und ihr Wissen präsentieren können und Menschen, die dieses Wissen suchen.
Das alles wird von den Kongressveranstaltern komprimiert zusammengefasst und als Gesamtwerk dargeboten. Das kann sehr hilfreich sein.

Für den Experten bietet sich ein Kongress als Plattform, seine Arbeit vorzustellen und sich zu zeigen. Vielleicht wird der Bekanntheitsgrad größer und es folgen weitere Aufträge?

Der Teilnehmer erhält die Möglichkeit, ganz viel Wissen in einem Paket Bündel zu erhalten. Das alles entspannt von seiner Coach aus. Keine Hotelkosten. Keinen Babysitter, den man engagieren muss. Praktisch.

Alles in Allem also eine eigentlich runde Sache. In meinen Augen kann man das also in die Richtung optimieren, dass es eben nicht weiter aufstößt. Oder besser ausgedrückt: In meinen Augen ist es wichtig, dass sich da etwas grundlegend ändert, denn ansonsten werden die Kongresse eher noch mehr aufstoßen und somit wenig wirkliche Zukunftschancen haben.

In diesem Sinne hoffe ich eine kleine Lanze gebrochen zu haben für die Kongressveranstalter und auch die Experten. Sie alle machen einen wunderbaren Job.
Doch ohne die Zuschauer wäre das was sie tun sinnlos.
Somit bedingt sich das Eine und das Andere –
Lieben Dank also an alle Kongressveranstalter und alle Experten – und alle Zuschauer.

https://www.youtube.com/watch?v=KsnxhM0KFHM

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5 Comments

  1. Sehr tolle Zusammenfassung/Stellungnahme.
    Die interessanten Inhalte stehen tatsächlich in schockierendem Kontrast zur Spam-Verkaufsmasche. Inzwischen trage ich mich sofort nach Ende des Kongresses aus der Email Liste aus … und kaufe kein einziges Kongresspaket :-/
    Was mir wiederum Leid tut für die Veranstalter … aber so könnte man ja täglich 50.- EUR pro Kongress ausgeben …

  2. Toll! Aber eine Einschränkung würde ich machen, es ist ein Kongress und auch bei einem echten Kongress sind die Vorträge nur zu einem gewissen Zeitpunkt zu hören (und das sogar nur 1 Mal) danach kann man die Aufzeichnungen kaufen…, das wäre meine Bemerkung zum kostenlos-Argument

    • Hallo Mirjam.
      Ja – damit hast Du zweifelsfrei Recht. Auch bei einem Kongress hört man es nur einmal. Davon abgesehen hat ein online Kongress einfach sehr viele Vorteile – gerade für Familien.
      Und genau aus diesem Grund fände ich es sinnvoller (und fairer), wenn man einfach auch etwas dafür zurückgibt….

  3. Ich habe mich gefreut, dass ein online Kongress nicht nur 2 Wochen dauert, sondern das ich ihn auch als Aufnahme kaufen kann. Weil es gibt keine Zeit am Stück, um sich alle Videos anzuschauen.
    Ja, die Art und Weise wie man das Kongress Paket verkauft hat, war nicht unbedingt die romantischste:)), aber das hat mich nicht gestört. Ich weiß das die Veranstalter es noch lernen werden. Es ist ja so neu jetzt!

  4. Sehr gut geschrieben. Danke dafür. Du sprichst mir bei vielem aus der Seele. Ich bin einfach nur genervt von den ganzen Kongressen. Und am schlimmsten ist die Art des Vermarktens. Einfach nur abschreckend alles. Ich guck mir nichts davon mehr an.

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