Wie ist eine friedliche Blutentnahme bei Kindern möglich?
Als Eltern haben wir die Aufgabe unsere Kinder richtig darauf vorzubereiten. Doch wie macht man das?
Wir alle finden es immer schlimm, wenn unseren Kindern Schmerz zugefügt wird. Eigentlich sehen wir es als unsere Aufgabe, sie davor zu schützen. Doch manchmal ist es unumgänglich und Dein Kind muss eine Untersuchung über sich ergehen lassen, die es als unangenehm empfindet. Doch mit Dir an seiner Seite, kann es sehr viel angenehmer werden. Weil es Dich kennt und Dir vertraut. Du bist der Fels Deines Kindes! Du kannst Dein Kind gut auf solche Dinge vorbereiten und ich gebe Dir hier ein paar Vorschläge, wie Du das machen kannst.


Ich mache eine Videoreihe auf Youtube, auf der ich meinen Beruf als Kinderkrankenschwester einfließen lasse. Dies hier ist das erste Video.

Warum Blutentnahme?

Wir sind Vegetarier und teilweise Veganer. Aus diesem Grund lassen wir einmal jährlich das Blut (und Urin) auf folgende Werte untersuchen:
Wobei ich dazu sagen möchte, dass jeder seine Blutwerte kontrollieren lassen sollte. Denn auch Fleischesser haben häufig einen Vitamin B 12 Mangel! Gerade bei ihnen wird es viel seltener entdeckt, weil sie nicht das Bewusstsein haben, ihr Blut zu untersuchen, wie es Vegetarier haben.

Vitamin B 12
Vitamin D
Eisen
Jod (im Urin)

Wir substituieren je nach Blutwerte mit folgenden Dingen (bei denen wir alle darauf achten, dass sie vegan sind):

Vitamin B 12

Wir nehmen Tropfen bei kleinen Kindern und Tabletten bei großen Kindern.

Vitamin D

Obwohl wir so viele Winter im Süden verbringen, haben wir einen Mangel gehabt. Daher substituieren wir auch hier mit einem Öl, das geschmacksneutral ist und daher von den Kindern gern angenommen wird.

Eisen

Eisen wird oft nicht gut vertragen und man kann nicht alles dazu trinken oder essen, weil es sonst nicht aufgenommen wird.
Daher nehmen wir ein Eisen, bei dem man alles essen und trinken kann. Außerdem ist es gut verträglich.

Jod

Jodtabletten sind meist groß und schwer für Kinder zu schlucken. Daher haben wir Kapseln. Diese kann man öffnen und nur das Pulver z. B auf`s Essen streuen. Ist allerdings Geschmackssache und schmeckt sehr fischig.
Für die größeren Kinder und uns Erwachsene nehmen wir ganz normale Filmtabletten.

Praktische Vorbereitung der Kinder

Um Kinder auf eine Blutentnahme vorzubereiten empfehle ich:

Sei ehrlich

Dein Kind vertraut Dir. Wenn Du es anlügst, wird es sich das merken und dir beim nächsten Mal nicht mehr voll vertrauen können. Beruhigende Aussagen wie: „Das ist nicht schlimm, das tut nicht weh“ sind nicht förderlich.
Versuche ehrlich zu sein (ohne ein Horrorszenario aufzumalen) und Ruhe auszustrahlen.

Erkläre warum

Erkläre Deinem Kind, warum es Blut entnommen bekommen werden muss. Wenn es versteht, warum solch ein Eingriff geschehen muss es also die Wichtigkeit der Sache versteht, kann es viel besser kooperieren.
Hilfreich für Erklärungen könnte dieses Buch sein. Es beschreibt auf kindliche Art, mit Hilfe der so genannten Stoffwechselwichtel, die Vorgänge im Körper. Die Stowies sind symphatische Wichtel und wenn man den Kindern erklärt, dass sie ganz dringend Informationen aus dem Blut brauchen und das Kind ihnen helfen kann, diese zu bekommen – man das also in einer Geschichte verpackt, dann ist es für die meisten Kinder wesentlich einfacher solche Untersuchungen zuzulassen.
Generell sollte dieses Buch bei allen Kindern bekannt sein. Weil es wirklich sehr, sehr hilfreich ist.

Spiele es durch

Nicht immer ist eine Blutentnahme geplant. Daher spiele es vorher immer wieder in Rollenspielen mit den Kindern durch. Sie können hier mal in die Rolle des Arztes und mal in die Rolle des Patienten schlüpfen. Damit können sie sich besser vorstellen, was auf sie zukommt. Übertreibe dabei nicht den Schmerz, der bei einer Blutentnahme entstehen kann, aber belüge Dein Kind nicht und spiele es auch nicht herunter. Damit schützt Du es nicht, auch wenn Du das vielleicht denkst. Kinder sind tapferer als man denkt.
Unsere 6 jährigen haben z. B ihre große Schwester (14) wirklich gespritzt, als diese eine zeitlang Spritzen benötigte.
Als unser 5 jähriger genäht wurde am Bauch, hat er sich später selbst die Fäden gezogen. Kinder halten aus und wenn sie eine Situation einschätzen können, sind sie zu vielem fähig.

Benutze Kanülen

Wir benutzen Kanülen, um Spreissel oder Zecken zu entfernen. Kanülen sind sehr scharfe Nadeln und eignen sich daher in meinen Augen besser, als jede Nadel. Zudem sind sie steril und man bringt, wenn man einen Dorn entfernt, keine Keime in die Wunde.
Unsere Kinder kennen also Kanülen und assoziieren nichts Schlimmes damit. Denn wir hebeln damit so sanft es geht Holzsplitter oder eben Zecken heraus. Das habe ich so bei meinem Kinderarzt gelernt.
Allerdings muss man damit wirklich vorsichtig sein und ich will das daher nicht empfehlen. Denn wenn die Kinder herumzappeln, kann die Kanüle tief stechen und verletzen. Das jedoch kann auch eine Nadel…

Dein Kind weint?

Dein Kind weint bei der Blutentnahme? Das ist nicht schlimm und völlig legitim! Kinder verarbeiten und transportieren Schmerz verbal. Es ist also kein Zeichen von schlechter Vorbereitung Deines Kindes oder ein Kind, was nicht kooperieren will. Das Kind drückt einfach nur sein Unwohlsein über den Schmerz aus. Gesteh ihm das zu.

Lebe vor

Lass Dir selbst Blut entnehmen und Dein Kind dabei zuschauen. So kann es bei Dir sehen, was geschieht. Erkläre ihm, wie es Dir damit geht. Sei auch hier ehrlich. Spiele den Schmerz oder die Unangenehmheit nicht herab, aber übertreibe auch nicht.

Übertreibe nicht

Manche Eltern versprechen dem Kind eine ganz besondere Belohnung, wenn es bei der Blutentnahme gut mitgemacht hat. Davon halte ich gar nichts.
Denn durch die Ankündigung einer solchen Sache wittert das Kind erst Recht, dass etwas sehr komisches auf es zukommt und entwickelt unter Umständen mehr Angst. Denn wenn etwas derartiges Versprochen werden muss von Mama und Papa – dann muss das, um was es geht, besonders schlimm sein.
Eine Blutentnahme ist außergewöhnlich, aber sollte nicht zusätzlich dazu gemacht werden.

Zusammengefasst

Dein Kind spiegelt Dich. Mach Dir bewusst, dass die Blutentnahme wichtig ist. Sie tut weh ist aber nicht hochschmerzhaft. Die Blutentnahme hilft Deinem Kind.
Wenn Du als Mutter/Vater in dieser Einstellung Dein Kind zum Arzt begleitest und eine gewisse Ruhe ausstrahlst, hast Du schon viel unterstützt.

# Sei ehrlich zu Deinem Kind.
# Erkläre je nach Alter des Kindes, warum der Eingriff wichtig ist.
# Lass den Schmerz und die Wut oder Trauer dazu in Deinem Kind zu.
# Unterdrücke nicht die Ängste Deines Kindes.
# Spiele die Dinge durch.
# Sei ein Vorbild und lass Dir selbst Blut entnehmen.
# Mach keine große Sache daraus. Je natürlicher Du damit umgehen kannst – umso einfacher machst Du es Deinem Kind.

Wir alle finden es immer schlimm, wenn unseren Kindern Schmerz zugefügt wird. Eigentlich ist unsere Aufgabe, sie davor zu schützen. Manchmal ist es unumgänglich und Dein Kind muss eine Untersuchung durchführen lassen, die unangenehm ist. Doch mit Dir an seiner Seite, kann es sehr viel angenehmer sein. Weil es Dich kennt und Dir vertraut. Du bist der Fels Deines Kindes!

PS: Es gibt Kinder – die kann man vorbereiten wie man will. Für sie ist und bleibt solch ein Eingriff einfach eine Überforderung. Sie weinen und schreien. Das bedeutet Stress fürs Kind und auch für Eltern und Personal. Das ist einfach so. Man muss das einfach so nehmen wie es ist.

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