Leben ohne Waschmaschine

„Wie bitte, was? Ihr lebt ohne Waschmaschine? Willst Du mir wirklich sagen, dass ihr als Großfamilie alles von Hand wascht?“

Welche Gedanken gehen Dir durch den Kopf, wenn Du diese Überschrift liest? Jetzt würde ich gerne in Deinen Kopf schauen.

Ja – wir leben ohne Waschmaschine. In den letzten acht Jahren hatten wir insgesamt sicherlich drei Jahre keine Waschmaschine – also keine funktionierende oder keine eigene.

Dennoch muffeln wir nicht und haben gewaschene Wäsche. Die hat zwar auch Flecken, aber die stören uns nicht.

Reisen ohne Waschmaschine

Wenn Du uns kennst, weißt Du, dass wir in den letzten Jahren viel gereist sind. Unterwegs in unserem Wohnmobil gab es keine Waschmaschine. Es gibt Wohnmobile, die haben eine an Bord. Wir nicht.
Monatelang mussten wir also improvisieren.
Da wir selten bis nie in großen Städten mit Waschsalon unterwegs waren, haben wir einfach unterwegs von Hand gewaschen.
Meist sind wir in warmen Ländern unterwegs gewesen und hatten fast nur kurze Klamotten.

Natürlich hätten wir auch eine spezielle Camping Waschmaschine wie unten abgebildet nutzen können. Das hebt ein bisschen den Komfort, in meinen Augen aber lediglich für maximal zwei Reisende geeignet. Da kann man dann super entspannt die Kurbel drehen.
Wir hatten aber über lange Zeit fünf Kleinkinder an Bord und dadurch sehr viel Wäsche. Das lies sich dann mit einem einfachen Eimer effektiver bewältigen. Vor allem konnte einem da nicht die Kurbel abbrechen – denn es gab keine!

Manchmal gönnten wir uns auch einen Waschsalon. Ich glaube während all den Reisejahren kamen wir dreimal in den „Genuss“.

Genießen konnte ich das allerdings nie wirklich, wenn jemand in „meiner“ (unserer) dreckigen Wäsche herumwühlt. Meistens waren es keine frei zugänglichen Waschmaschinen, die man selbst bestückt, sondern man musste die Wäsche abgeben und bekam diese dann am nächsten Tag sauber und zusammengelegt und manchmal sogar gebügelt zurück.

Wenn man als Camper Wäsche waschen will, eignet sich hervorragend Efeu als Waschmittel (oder auch Spülmittel) oder Waschnüsse. Dazu kannst Du Dir gerne das Video anschauen, in dem wir erklären, wie man das ganz einfach herstellen kann.

Waschmaschine in der Wildnis

Als wir in der Wildnis gelebt habe, waren die Kinder auch noch recht klein. Die Jüngsten waren zwei und gerade mal drei Jahre alt. Wir hatten auch dort keine Waschmaschine und durften uns darauf zurückbesinnen, wie unsere Vorfahren ihre Wäsche gewaschen haben.
Wenn Du unsere Geschichte nicht kennst – lies gerne unser Buch: EINE FAMILIE ZIEHT IN DIE WILDNIS. Gerne signiere ich Dir das Buch persönlich!
Du findest es hier

Buchcover

Wir lebten wie die Steinzeitmenschen in der Wildnis und versuchten ihr Leben nachzuempfinden. Dazu gehörte es auch, die selben Naturmaterialien als Kleidung zu tragen.
Wir hatten also keine „Hightech Klamotten“ sondern Schurwolle, Merinowolle und Baumwolle.
Unsere Waschmaschine war der See und das Waschmittel die Fische, die an den Klamotten herum geknabbert haben und eventuelle Essensreste abgenuckelt haben, oder maximal einen Sud aus Tannennadeln.
Die Wäsche wurde einfach für 1-2 Tage in den See gelegt mit einem Stein beschwert, damit sie nicht wegschwimmt und wurde so ordentlich eingeweicht und wie gesagt von den Fischen vorgereinigt. Danach wurde sie noch etwas geschrubbt und dann aufgehängt.

Bewährt hat sich dort vor allem die Merinowolle! Sie steht für „no stink“ und trocknet sehr schnell und hat einen wunderbar leichten Tragekomfort.
Allerdings muss man leider mittlerweile darauf achten, dass es wirklich auch 100% Merinowolle ist. Denn einige Firmen geben leider Polyester usw. dazu.

Leben ohne Waschmaschine in der Zivilisation

Nun sind wir ja wieder zivilisiert und leben nicht mehr wie „Britt Marie“ sagen würde „Wie die Vandalen“. Du kennst Britt Marie nicht? Ein tolles Buch! Denn bei uns ist das zu einem Standardspruch geworden – immer dann wenn etwas nicht der sogenannten Norm entspricht.
Wir lieben dieses Buch und haben es als Familie gemeinsam laut gelesen und öfter laut gelacht!

Aber zurück zu unserem aktuellen Leben. Wir leben ja etwas anders und auch etwas unzivilisierter als die meisten anderen Familien. Dazu gehört, dass wir nun seit einigen Monaten ohne Waschmaschine (soll ich nun leben, existieren schreiben?)
Für manche wäre es ein existieren, denn die wenigsten werden sich ein Leben ohne Waschmaschine vorstellen können, oder?
Waschmaschine und Fernseher sind die beiden Elektrogeräte, die ein „Muss“ sind und jeder Bundesbürger hat laut Hartz 4 ein Recht darauf. Ist das nicht so?

Nun – wir haben eine Waschmaschine! Eine recht neue sogar! Also wir haben sie im August 2016 gekauft. Seither steht sie nur da und funktioniert nicht. Denn sie ist eine intelligente Waschmaschine, die den Wasserdruck akribisch mit berechnet. Und dadurch aber wieder so dumm, dass sie dann einfach nicht wäscht!
Wir haben also versucht diesen Fühler heraus zu bauen. Ihr damit zu sagen, dass es nicht wichtig ist, wie groß der Wasserdruck ist. Das sie beruhigt sein kann und ganz sicher von uns die benötigte Wassermenge bekommt. Es dauert nur etwas länger, weil unser Wasser von einer Quelle kommt und nicht aus einem normalen Wasserhahn.
Wir haben ihr erklärt, dass die Waschmaschine, die wir davor hatten, auch waschen konnte. Mit dem selben Wasserdruck und sie sich also bitte nicht so anzustellen braucht – bzw. doch! Sie soll sich bitte anstellen und nicht immer beleidigt ausstellen, wenn sie merkt, dass etwas nicht passt.
Sie wurde hellhörig, warum die alte Waschmaschine denn nicht mehr genutzt wird. Denn wir lebten bereits einige Zeit ohne Waschmaschine, bevor wir uns entschlossen haben, diese neue zu kaufen.

Lange Rede – sie tut nicht – bockt nur. Will nicht waschen. Und das als Waschmaschine! Identitätskrise also.

Uns bleibt also nichts anderes übrig, als selbst zu waschen. Und dann vor ihrem Bullauge die Wäsche auszuwringen und innerlich zu denken: „Eigentlich könntest du wenigstens das Schleudern übernehmen, denn die Fehlermeldung hat etwas mit Wasserdruck zu tun, nicht mit Schleudern“.
Aber wer weiß. Vielleicht hat die Waschmaschine ja auch ein Schleudertrauma?

Epilog

Ich schaue mir die Dinge gerne philosophisch an.
Dreckige Wäsche waschen ist ein Spruch, den jeder kennt.
Kleider machen Leute ebenso.
Eine weiße Weste haben ist den meisten wichtig. Also fleckenlos. Ohne Makel. Denn ein Fleck wird als diesen empfunden.

Doch was ist sauber? Ist ein T Shirt, was frisch gewaschen ist, jedoch einen Fleck hat nicht sauber? Warum?

Wenn Du mit frisch gebleichtem Hemd oder Bluse aus dem Haus gehst und während des Mittagessens kommt ein Fleck auf das schöne Weiß – wie geht es Dir damit? Und wo liegt der Unterschied, ob dieser Fleck unterwegs drauf gekleckert wird oder bereits von Anfang an da war. Du also mit dem Fleck das Haus verlassen hast oder nicht. Und die Menschen um Dich herum wissen, wann und wie der Fleck da hingelangt ist?

Wo liegt also Deine Komfortzone was dieses Thema angeht?
Was denkst Du darüber?
Was denkst Du, denken die Leute, die Dich mit einem Fleck sehen?
Warum ist es wichtig was sie denken?
Warum wollen wir makellos vor anderen dastehen?

Ich möchte Dich gedanklich herausfordern:
Das Hemd, Bluse, T Shirt was Du trägst – ist in tausendfacher Ausführung hergestellt worden.
Den Fleck, den Du hineinbringst, macht es zu einem Unikat. Zu Deinem ganz ureigenen Kleidungsstück!

In der Wildnis hatten wir nur ganz wenig Kleidung dabei. Und diese wurde geflickt, wenn ein Loch drin war. Und dadurch ist mir jedes Kleidungsstück ans Herz gewachsen. Ich habe mein Familyyearlong (unser Wildnisabenteuer) T-Shirt immer noch und halte es in Ehren. Denn es hat so viel zu erzählen.
Dagegen sieht ein weißes, glattes T Shirt wirklich blass aus!

Wie wäre es also, Deine Komfortzone etwas zu erweitern? Und einfach mal ganz bewusst und revolutionär und frech einen Fleck absichtlich in Dein Kleidungsstück zu machen – oder ein Loch? Und dann damit das Haus zu verlassen?
Charakter bildet sich dann, wenn man die eigene Komfortzone verlässt und sich herausfordert –

Leben ohne Waschmaschine die Vorteile

Wenn man sich zurück erinnert, wie früher die Wäsche gewaschen wurde, dann hat man Bilder von Frauen im Auge, die an einem Fluss gemeinsam die Wäsche wuschen.
Waschen am Fluss
Hier in Portugal gibt es hier und da noch Waschhäuser, die benutzt werden.
Waschen war also immer etwas geselliges, bei dem man sich ausgetauscht hat und gleichzeitig saubere Hände bekam und in der Natur war.
Und – die Wäsche wurde und wird in meinen Augen sauberer als in der Waschmaschine. Denn man kann sich den Flecken (wenn man denn will) gezielter widmen.
Schaut man mal die Funktionsweise der Waschmaschine an, sieht man, dass sie eigentlich nur die Wäsche ein wenig hin und her bewegt. Die Wäsche reibt sich aneinander. Wirklich viel mehr geschieht allerdings nicht wirklich.
Dazu kommen dann irgendwelche Löcher, von der Trommel hineingebissen. Oder fehlende Socken – ebenfalls verspeist von der Waschmaschine.
Und natürlich kann sie kaputt gehen oder gar brennen! Denn als Kind hat die Waschmaschine meiner Mutter wirklich einmal gebrannt. Und das im elften Stock eines Hochhauses.

Ich liebe also mein Leben ohne Waschmaschine. Im Sommer zugegebener Maßen. Im Winter, wenn dann die Finger abfrieren glaube ich nicht wirklich das ich dann damit auch so leicht umgehen kann.. Da werde ich dann die Waschmaschine mit bösen Blicken belegen! Aber ich glaube kaum, dass sie sich ein schlechtes Gewissen machen lässt. Also kann ich mir das eigentlich auch sparen.

In diesem Sinne. Vielleicht versuchst Du es einfach mal mit einem banalen Waschbrett?

ÖkoLogischer Aspekt

Wir haben den Luxus, dass wir mit fleckigen Kleidungsstücken herumlaufen können. Leider ist das in der heutigen Gesellschaft selten möglich.
Wir leben alleine und im Wald. Keine Ameise regt sich darüber auf, wenn meine Hose einen Schmutzfleck hat. Und wir untereinander ebenso wenig.
Gesellschaftliche Normen und Vorgaben können eingrenzen.

In unserem Leben in der Wildnis war es eine befreiende Erfahrung, so sein zu dürfen wie man nun einmal war. Mit Flecken, Runzeln und Makel. Sich so geliebt und angenommen zu fühlen vom Gegenüber. Und seinen Gegenüber ebenso zu lieben – egal ob Ruß im Gesicht war oder ein Loch im Shirt.

Denn das Wesentliche ist unter der Wäsche, unter der Schminke, unter unserer Fassade. Wir alle sind ohne Kleidung geboren. Sie soll uns wärmen und schützen und so einen Sinn und Zeck erfüllen.

Leider hat unsere Gesellschaft Gesetze und Normen entwickelt, die uns begrenzen uns auf Äußerlichkeiten reduzieren.
Unser Wert definiert sich über die Kleidung, die wir tragen und unser Aussehen.
Anstatt uns in die Augen zu sehen, scannen wir die Kleidung ab. Welch Unsinn!

Unlängst habe ich in Frankfurt am Main in der Einkaufsstrasse einen bettelnden Mann getroffen. Ich bin mit ihm in ein Cafe gegangen und habe mich mit ihm sehr nett unterhalten. Es war ein ehemaliger Professor, der auf der Strasse gelandet ist. Ich habe weder seine Klamotten gesehen – noch seinen Status betiteln müssen. Er war für mich ein Mensch, ein Mann. Liebenswert. Und ich habe mich mit einer herzlichen Umarmung und einen festen Blick in seine Augen und sein Herz verabschiedet!

Kleider machen keine Leute. Leute machen Kleider. Mehr nicht.

Tipps um weniger waschen zu müssen:

Lederhosen tragen. Die müssen nicht so häufig gewaschen werden.

Schurwolle kann man einfach lüften und muss auch nicht so oft gewaschen werden.

Danke für Deine Aufmerksamkeit, wenn Du bis hier her gelesen hast.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Du diesen Post teilst und unter die Menschen bringst.
Denn es geht mir um mehr als nur eine banale Waschmaschine, wie Du gemerkt hast.
Danke für Deine Unterstützung.

AuthorLine

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