Windelfrei?! Das kann doch nicht funktionieren!

Windelfrei soll funktionieren? Mit Neugeborenen? Niemals! So dachte ich als Kinderkrankenschwester und Mutter von drei Kindern, als ich das erste Mal davon hörte, dass bereits Neugeborene „stubenrein“ sein sollen. In meinen Ohren hörte sich das völlig unrealistisch an. Wie soll ein wenige Tage alter Säugling denn sein Bedürfnis nach Ausscheidung äußern? Während meiner Ausbildungszeit habe ich gelernt, dass der Anusschließmuskel erst ab einem gewissen Alter überhaupt in der Lage ist, willentlich gesteuert zu werden.
Skeptisch und doch offen genug entschloss ich mich, es mit meinem 4. Kind auszuprobieren.

Durch eine Lotusgeburt konnten wir als Paar und Familie unseren kleinen Erdenbürger intensiv kennen lernen. Wurde er unruhig, hielten wir ihn über eine Schüssel. Meistens hatten wir mit unserer Vorahnung recht und es kam ein kleines oder großes Geschäft.
Nach wenigen Tagen bemerkten wir, dass er immer dann wenn er unten losließ einen runden Spitzmund machte, so als würde er Oh sagen. Dadurch konnten wir ihm nun im Gesicht ansehen, wenn er mal musste.
Später kam dann noch ein „sich Schütteln“ hinzu. Immer wenn das geschah stand ein großes Geschäft in der Warteschleife. Wir hörten dann häufig unsere Kinder rufen: „Mami, er schüttelt sich“, oder „Mama, er macht ein O und muss Pipi“.

Es war ein schönes Gefühl zu erleben, dass dieser kleine Babypopo nicht mit Stuhlgang verschmiert ist oder in der nassen Windel liegen muss. Meine anderen Kinder habe ich mit Stoffwindeln gewickelt. Dieses Windelfrei bedeutete für mich als Kinderkrankenschwester und Mehrfachmutter eine Revolution und war so befreiend.

Natürlich gab es hier und da ein Pfützchen. Vor allem Nachts, wenn ich zu tief schlief und nicht bemerkte, wenn er neben mir unruhig wurde und versäumte ihn abzuhalten, wurde die Moltonunterlage feucht. Wenn ich das bemerkte, dann nahm ich sie einfach weg, denn darunter war noch eine Unterlage. Damit der kleine Feuerwehrmann nicht das gesamte Bett flutete, falls er auf dem Rücken lag, banden wir ihm einen Gummi um den Bauch in das wir eine Stoffwindel klemmten.

Mein Resümee: Es klappte wunderbar! Selbst als wir sechs Wochen später unser zweites Baby begrüßen durften konnten wir beide Kinder Windelfrei begleiten. Sie sind ja im Prinzip wie Zwillinge. Ich war mehr als beeindruckt davon, dass ein so kleiner Mensch Zeichen gibt und ich sie ohne Probleme deuten kann. Eine Mutter hört irgendwann, warum das Kind weint. Wir merken ja nach einer Einspielzeit auch wenn es Hunger hat, müde ist, sich weh getan hat usw. Warum also nicht auch dieses, ja doch sehr elementare Bedürfnis? Wenn wir uns die Zeit nehmen, hören wir in gleicher Weise auch, wenn unser Kind ein Bedürfnis zur Ausscheidung hat. Das ist so toll!
Selbst die älteren Geschwister konnten ihre Zeichen erkennen und die kleinen Brüder abhalten. Die wenigen Male, an denen das Pipi irgendwo ungeplant landete, hatte keinerlei Gewicht der Freiheit gegenüber, die wir dadurch erlangt haben.

Leider wusste ich bei meinen ersten Kindern noch nichts von Windelfrei. Gleichwohl ich auch da merkte, wenn ein Kind mit rotem Kopf das großen Geschäfts in die Windel verrichtete. Damals kam ich nicht auf die Idee es abzuhalten. Dass ich mit dem Umbinden einer Windel und der Unaufmerksamkeit ihren kaum merklichen Äußerungen gegenüber, ihre Fähigkeit zu zeigen, wann sie müssen unterdrückte, war mir nicht bewusst.
Umso mehr freue ich mich über die vielen Eltern, die sich auf den „Windelfrei Weg“ begeben und möchte andere dazu ermutigen es auszuprobieren.

Das eigene Kind von Anfang an auch in seinem Ausscheidungsbedürfnis zu verstehen vertieft das Bonding. Ein wahrgenommenes Kind fühlt sich als angenommenes Kind und kann so mehr Sicherheit in seinen eigenen Fähigkeiten erfahren. Man hat hier und da ein Pfützchen, doch auf der anderen Seite entfällt das doch meist langwierige und nervenaufreibende Töpfchentraining.

Nicht zuletzt sind da auch die ökologischen und gesundheitlichen Aspekte.
Ökologisch: Man produziert keinen Plastikmüll oder verbraucht bei Stoffwindeln nicht so viel Wasser zum Waschen der Windeln.
Gesundheitlich: Das Baby kommt nicht mit den Giftstoffen der Plastikwindeln in Berührung und gerade Buben liegen nicht mit den Hoden lange Zeit in einem zu warmen Milieu, was ja nachgewiesener Weise eine Verminderung der Fruchtbarkeit zur Folge haben kann.

Habt Mut zur Pfütze und Geduld mit euch und eurem neuen Erdenbewohner. Es ist ein Wachsen und kennen lernen. Eltern, die noch nie in eine mehr oder weniger warme Pfütze oder Tretmine ihres Babys gelaufen sind haben doch etwas verpasst finden wir. In diesem Sinne -Windelfrei!

Zum Thema Lotusgeburt empfehle ich mein eigenes Buch. Du findest es in meinem Shop.
Mit dem Buch bekommst Du ein Video – dort siehst Du, wie wir die Lotusgeburt gestaltet haben!



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