Leben ohne Fernsehen – Medienerziehung von Kindern und Teenagern

Fernsehen macht dumm?
Vorab gesagt: Dies ist unser Weg und wir erheben nicht den Anspruch darauf den einzig wahren Weg zu gehen. Jeder macht was er will und für richtig und wichtig erachtet und wir akzeptieren andere Wege und Einstellungen.

Unsere Kinder schauen kein TV, sie kennen keine Serien und TV Werbung ist ihnen fremd.
Wir schauen jedoch mit ihnen regelmäßig Filme an. Manchmal gehen wir gemeinsam ins Kino. Meistens jedoch werfen wir einen Film mit einem Beamer an die Wand und legen eine schöne DVD ein.  Dann hat jeder etwas leckeres zu knabbern auf dem Schoss und es ist etwas Besonderes für uns alle was wir genießen und worüber wir uns noch richtig freuen können.

Unsere Fünfjährigen schauen dabei nicht zu. Sie haben noch keinen Film gesehen. Und sie finden das nicht schlimm, wir haben nicht das Gefühl, als würde ihnen etwas fehlen. Woher wir das wissen? Unsere Teenager sind genauso groß geworden und hatten auch keinen Fernseher. Vor allem unser ältester Sohn, der bei seinem Vater in Deutschland lebt, könnte nun bis zum Exzess via Internet Fernsehen, tut es aber nicht.

Wer nun denkt, dass wir nur unseren armen Kindern das Fernsehen vorenthalten, irrt. Wir selbst haben bereits als jungverheiratete Menschen entschieden auf den Fernseher zu verzichten. Damals war ich mit meinem Exmann zusammen gezogen und wir hatten im ersten Ehejahr keinen Fernseher und bekamen dann einen geschenkt. Zu dieser Zeit begann die Serie „Verbotene Liebe“ und wir haben gemeinsam die erste Sendung gesehen und jede weitere Folge ebenso. Nach unserer Lieblingsserie haben wir uns meist durchgeszappt, bis wir müde waren und ins Bett gefallen sind. Während des Fernsehens haben wir gegessen und haben derweil auf den Bildschirm gestarrt. Maximal in den Werbepausen haben wir uns kurz unterhalten.

In einem gemeinsamen Urlaub ist uns aufgefallen, wie viel Zeit wir auf einmal miteinander hatten. Wir unterhielten uns plötzlich länger als eine Werbepause miteinander. Damals ist uns bewusst geworden, wie sehr das Fernsehen uns verändert hatte. Wir reflektierten unser Verhalten und dieses „auf den Bildschirm starren und gleichzeitig die Gabel in den Mund stecken“ empfanden wir in der Reflektion als ziemlich dämlich. Unser Leben fand mehr in dieser Daily Soap statt als bei uns selbst. Anstatt unser Leben zu leben, schauten wir anderen dabei zu. Anstatt zu streiten, zu lieben, zu lachen beobachteten wir andere, wie sie all diese Dinge taten. Unser Leben war viel leerer geworden.
Die erste Handlung nach unserem Urlaub war daher, den Fernseher aus unserer Wohnung zu verbannen. Seither leben wir TV los und haben ihn nie wieder vermisst. Wir nennen den Fernseher seither „KommunikationsKillerKasten“, kurz KKK.

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Bei unserem Zahnarzt läuft manchmal der Fernseher. Meistens ist der Kinderkanal eingeschaltet und wir sind immer wieder betroffen, was für einen Unsinn Kinder sich da ansehen.
Im Zuge der Vorbereitung für unser Wildnisjahr sind wir regelmäßig als Erwachsene ins Fitnessstudio gegangen. Dort liefen  immer die Fernseher und da ich meine eigene Musik auf den Ohren hörte, konnte ich immer nur das tonlose Programm sehen. Die Werbung und auch die Vorankündigungen von Filmen, die erst am Abend laufen empfand ich teilweise als haarsträubend. Vor allem weil Kinder um diese Uhrzeit noch vor der Flimmerkiste sitzen. Für mich war das eine Bestätigung, dass unsere Kinder und wir als Erwachsene nichts verpassen.

Wir kennen Menschen, bei denen läuft der Fernseher den ganzen Tag als eine Art Hintergrundberieselung, damit es nicht so still ist um sie herum.
Und wir haben Familien erlebt, bei denen sich die Tagesplanung nach dem Fernsehprogramm richtet, die um eine gewisse Uhrzeit zuhause sein müssen, weil dies oder das im Fernsehen kommt und sie das gerne live anschauen wollen.
Als unser ältester Sohn ins Kindergartenalter kam sagte eine Mutter, die wusste, dass wir keinen Fernseher hatten zu mir: „Wenn deine Kinder Pokemon nicht kennen, dann können sie ja im Kindergarten mit den anderen Kindern gar nicht mitreden und werden dann am Rand stehen und ausgegrenzt sein“. Uff! Sollten wir nun also als Fortbildungsmaßnahme für unseren Sohn doch einen Fernseher anschaffen? Damit er mitreden kann im Kindergarten? Was kommt danach? Die Playstation, die WIFI? Müssen wir uns wirklich danach ausrichten? Wäre er wirklich ausgegrenzt und was würde das bedeuten? Was ist das für eine Welt in der wir leben?
Wir haben keinen Fernseher gekauft und kurzerhand einen Waldkindergarten gegründet. Dort sammelten sich eher Eltern wie wir und Pokemon war dort kein Thema.

Durch unser fernsehfreies Leben haben wir viel mehr Zeit und Lebensqualität, finde ich. Wir haben einander als Familie. Wir führen viele Gespräche mit unseren Kindern, spielen und unternehmen gemeinsam Dinge. Nicht eine Sekunde vermissen wir den Fernseher. Im Gegenteil. Ein Leben mit Fernseher ist für uns unvorstellbar.

Wir können jeden nur dazu ermutigen den Kasten einfach mal in den Keller zu stellen und dann zu beobachten was das mit Dir/Euch macht. Es ist wie wenn man eine Brille ablegt und die Welt ohne ein Glas zwischen sich entdeckt. Die Welt ohne einen viereckigen Flimmerkasten. Ohne die Begrenzung auf vier Seiten. Viel Spaß dabei.

himmel

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