Zynismus

Welche Gründe gibt es zynisch zu sein?
Jeder von uns ist hier und da einmal zynisch. Auch ich bin es.
Wenn ich bei mir genau hinschaue, wann ich zynisch bin und wirklich tiefer Blicke, macht mich Zynismus nachdenklich.

Was ist dieser Zynismus oder Sarkasmus? Warum wird er benutzt und wann? Und was bewirkt er in dem Menschen, der ihn anwendet und in dem, der von ihm getroffen wird?

Darüber möchte ich hier in diesem Blogpost mit Dir nachdenken. Das alles soll nicht mit erhobenem Zeigefinger geschehen, denn wie gesagt, auch ich bin immer wieder zynistisch und packe mich daher an meine eigene Nase.

Nachdem ich mich näher mit diesem „Phänomen“ befasst habe, habe ich beschlossen mit meinem Zynismus aufzuhören.

Wo fangen wir an, wenn wir in dieses Thema einsteigen? Meine größten Vorbilder und Lehrer sind meine Kinder oder Kinder generell.

Und wenn ich Kinder anschaue und beobachte, dann sehe ich, dass sie Zynismus weder kennen, noch verstehen und daher nicht anwenden.

Zynismus ist etwas, was also gelernt wird. Im Laufe des Lebens wird man mehr oder weniger zynisch. Das Leben macht einen zynisch?

Schaut man Menschen an und beobachtet, wie sie mit anderen oder mit sich selbst kommunizieren, dann sieht man große Unterschiede. Manche Menschen sind durchgängig zynisch, hingegen andere sind es kaum. An was liegt das?

Ach ja, und ein Zyniker ist immer auch zu sich selbst zynisch, glaube ich. Denn wir gehen ja letztlich immer auch mit uns so um, wie wir es mit anderen tun.

Aber nun lass uns anschauen, was Zynismus bedeutet. In meinen Augen gibt es fünf Geschwister von Zynismus, die auch immer irgendwie mit in diese Gedankengänge hineinspielen. Auch wenn sie immer auch etwas anders sind, so haben sie irgendwie die selben Wurzeln. Ich möchte sie hier kurz erwähnen und habe, wenn ich von Zynismus spreche, auch diese fünf anderen im Hinterkopf.

  1. Schwarzer Humor
  2. Ironie
  3. Sarkasmus
  4. Spott
  5. Schadenfreude

Die Schadenfreude hat Freude über den Schaden eines anderen. Man lästert über diesen Schaden oder lacht sogar darüber. Spotten ist auch eine Art Freude über ein Missgeschick eines anderen Menschen. All das sind, in meinen Augen, irgendwelche Abwandlungen von Zynismus. Und dieser wiederum ist ein Zeichen des Mangels an Empathie?)

Es gibt einen Spruch, den ich irgendwo einmal gelesen habe:
Zynismus ist meine Rüstung
Ironie ist mein Schild
Sarkasmus ist mein Schwert

Wer zynisch ist, mit Ironie arbeitet und Sarkasmus als innere Grundhaltung hat – der schützt sich selbst und schiebt den Spott lediglich als Bugwelle vor sich her?

Pferd

Was also ist Zynismus

Im zwischenmenschlichen Bereich kann man sich ohne jeglichen Zynismus unterhalten. Oder aber die Unterhaltung mit Zynismus würzen.
Eigentlich benötigt keine Unterhaltung Zynismus, denn Zynismus verwäscht in meinen Augen unnötig das, was man ausdrücken möchte. Es verwirrt, weil es nicht klar und abgegrenzt das ausdrückt, was man möchte. Zynismus zaubert einer Aussage irgendwelche Schnörkel, die sie aus dem Takt bringt und den, dem sie gilt, in gewisser Weise verletzen kann und das unter Umständen auch soll.

Zynismus ist immer wie ein Stachel oder eine Messerschneide, die einen Stich versetzt.

Anders kann ich mir nicht erklären, warum man ihn nutz, den Zynismus. Wenn man sich ohne ihn unterhalten kann und sehr klar ausdrücken könnte, was man auf dem Herzen hat, was bringt es einem, wenn man diese Bugwelle der zynischen Gedanken vor sich herschiebt? Welche Motivation steckt dahinter?

Ich glaube, dass Zynismus immer etwas mit einer eigenen Verletzung zu tun hat und oftmals etwas vertuschen soll, was bei dem versteckt ist, der ihn anwendet. Denn häufig reagieren Menschen, meiner Meinung nach,  zynisch, wenn sie selbst nicht mehr weiter wissen und den Fokus von sich selbst ablenken wollen oder wenn sie mit einem Thema nicht wirklich klar kommen und ihre Wunden verdeckt werden sollen.

Zyniker sind meinem Gefühl nach eher verbitterte Menschen. Denn Zyniker sind durch und durch zynisch und können kaum noch ohne Zynismus eine Unterhaltung führen.
Je weniger ein Mensch die „Waffe Zynismus“ verwendet (verwenden muss), umso heiler könnte er in der Persönlichkeit sein.

Das zumindest habe ich an mir selbst erlebt und erlebe es. Wenn ich zynisch reagiere, dann geschieht das immer dann, wenn ich nicht in Balance bin.

Zynismus könnte also als eine Art Rache gesehen werden. Ein Zurückschlagen und den anderen erniedrigen, weil man sich vielleicht selbst erniedrigt fühlt? In dem Moment, in dem ich andere verspotte (und genau das geschieht meist bei Zynismus), fühle ich mich (kurzfristig) besser, größer, toller.

Ich bedauere Menschen, die Zynismus brauchen zutiefst. Wer sich über andere lustig machen muss und Witze auf Kosten anderer macht, ohne das diese wirklich mitlachen können, sind in sich nicht klar.

Wer aus reiner Liebe reagiert, der kann und will in meinen Augen nicht zynisch sein.

Ein respektvoller Umgang, sollte den anderen nie diffamieren und mit zynischen Bemerkungen verletzen.

Oftmals geschieht das aus Unwissenheit oder Unbewusstheit. Oder man ist zynisch, weil man es so gewohnt ist und das alles nur als lockere Sprüche sieht, die man selbst nicht so ernst nimmt, wie es vielleicht der Empfänger tut.

Empathie und Zynismus?

Im ersten Hinschauen ist Zynismus vielleicht manchmal garnicht so schlimm und eher lieb gemeint. Man verkleidet eine Aussage mit Zynismus – weil man nicht mit der Direktheit verletzen will.
Dennoch weiß man nicht, wie es auf den wirkt, der der Zynismus Empfänger ist.

Das kann manchmal tragisch sein, weil man nie in seinem Gegenüber steckt und nicht weiß, was man mit lapidar ausgesprochenem und zynisch bissigen Kommentaren bewirkt.

Daher ist es so wichtig, in Gesprächen Empathie zu haben und eine gewisse Gesprächskultur zu bewahren. Einen Raum zu eröffnen und zu halten, der konstruktiv ist und Sicherheit ausstrahlt. In der jeder willkommen ist und niemand runtergemacht wird.

Wir haben dieses Verhalten leider meistens durch die Schule gelernt. Mobbing ist etwas, was leider immer mehr in Mode gerät. Und somit ist die Sozialisierung in der Schule häufig eher destruktiv.
Vielleicht haben wir Zynismus auch bei unseren Eltern abgeschaut, die verbittert nebeneinander gelebt haben und sich zynische verbale Brocken zugeschmissen haben und so einen wörtlichen Kampf gekämpft haben, bei der die Zunge ein Schwert war?

Konstruktive GEsprächskultur

Ich bin viel auf Facebook unterwegs und erlebe immer wieder Unterhaltungen, die mit Zynismus gewürzt sind. Die Gesprächskultur scheint hier sehr abzuflachen und das Bewusstsein, was man mit seiner Ausdrucksweise anrichten kann verschwimmt.
Umso tragischer, wenn ich es in Gruppen erlebe, die eigentlich auf dem Weg der Bewusstwerdung sind. Aber auch hier kommen dann einfach Verletzungen der einzelnen Menschen an die Oberfläche.

Mir selbst ist es wichtig fair zu sein. Mein Gegenüber mit seiner Meinung und seinen Erfahrungen zu respektieren und einen freundlichen und höflichen Umgang zu pflegen.
Ich empfinde gerade hitzige Diskussionen als Lernfeld für mich selbst. Wenn ich verbal angegriffen werde trotzdem ruhig und in meiner Mitte zu bleiben.

Klare Worte – ein „ja“ sollte ein „ja“ sein. Nicht mehr und nicht weniger. Ein „nein“ einfach „nein“. Ich möchte mich auf Menschen verlassen können und auf das was sie sagen. Ich möchte wissen, woran ich bin.
Und ich möchte, dass Menschen sich auf mich verlassen können. Das mein Ja einfach ein Ja ist. Und das ich mich nicht hinter verletzenden Worten, die mit Zynismus garniert sind, verstecke, um sie zu verletzen und mich selbst zu schützen.

Ich liebe konstruktiven, ehrlichen Austausch und kann mit Zynismus immer weniger anfangen. Er hindert an einem direkten Austausch und verletzt unnötig.

Solltest Du mich also zynisch erleben, dann klopfe mir bitte auf die Schulter! Denn ich möchte das nicht mehr. Es kann mir allerdings passieren, dass ich hineinrutsche. Und glaube mir, wenn ich zynisch bin, dann geht es mir mit Sicherheit an diesem Tag nicht wirklich gut und ich bin etwas aus meiner inneren Balance geraten.

Warum ich es nicht mehr will und warum ich denke, dass das auch richtig und heilsam ist?

Jesus sagte: Werdet wie die Kinder.

Das ist eine große Weisheit und ein riesiger Anspruch, den ich an mich selbst habe, diesem Rat zu folgen.

Kinder verstehen keinen Zynismus – sie sind rein und unbefleckt in ihrer Seele. Sie haben keine Verletzungen und daher benötigen sie diesen Zynismus nicht. Mein Temperaturanzeiger, wie es mir geht, wie weit ich bin im Kind werden, kann ich also an dem abmachen, wie sehr ich Zynismus als Selbstschutz noch in mein Leben integriere und anwenden muss. Daher ist es nicht wirklich hilfreich für die Entwicklung der Kinder, wenn man mit ihnen auf eine zynische Art umgeht. Zynismus irritiert sie und macht lediglich irgendwann selbst zynische Menschen aus ihnen.
Erkläre einem Kind was Zynismus ist – und Du wirst sehen – wie unsinnig Zynik ist.

Es gibt eine Gewaltvolle Kommunikation – und es gibt gewaltfreie Kommunikation. Lasst uns ohne Gewalt miteinander sprechen. Lasst uns weich werden und die Dinge an uns erkennen, die uns vereinen, anstatt den Fokus auf das zu legen, was uns trennt.

Wie denkst Du darüber? Was ist für Dich Zynismus – wann bist Du zynisch?

5 Comments

  1. Pingback: Umgangston auf Facebook | Wildnisfamilie

  2. Claudia KempermannReply

    Hallo liebe Wildnisfamilie…
    Ich finde die wahren Worte hier gerade ungemein wichtig für meine aktuelle Lebenssituation. Lasst mich davon berichten.
    Ich bin seit einem guten halben Jahr an einem neuen Arbeitsplatz und habe zunehmend festgestellt, dass ich mit bestimmten Verhalten meiner Arbeitskollegen und Vorgesetzten nicht übereinkomme. Obwohl ich Leistungsbereit, Motiviert, Höflich und Zuvorkommend bin, fühle ich mich nicht in Gänze integriert, denn es wird dort viel über Ironie, Spott, Sarkasmus und Zynismus kommuniziert, wie zum Beispiel Verhalten, Handlungen und auch persönliche Attribute. Und es wird offensichtlich darüber gelacht oder gekontert. Und ich empfinde das als keine gute Art der menschlichen Komunikation. Ich finde das verletzend, selbst wenn es mich nicht betrifft. Und als ich tiefer schaute und nach dem Sinn fragte, sah ich, dass dies Verhalten von verletzten inneren Kinder der heutigen Erwachsenen ist, welche nicht wahr- oder angenommen wurden. Da ich hochsensibel und feinfühlig bin, durfte ich mir jetzt schon mehrmals an, dass ich nicht alles auf die Goldwaage legen solle. Also suchte ich bei mir den Grund, warum ich diese Art von Kommunikation nicht beherrsche, verstehe und innerlich ablehne. Und so traf ich neben anderen Blogs, auch auf jenen hier, der mir aus der Seelespricht. Ich möchte zum besserem Überblick gerne aufzeigen, dass ich nicht unberührt von Verletzung bin, sondern ganz im Gegenteil. Ich bin ein Mensch mit verletzen innerem Kind, welches schon sehr gut geheilt ist und trotz all der negativ Erfahrung habe ich mir meine gutmütige, freundliche, liebevolle, manchmal kindische Art behalten, um eine Veränderung zu meinen Erfahrungen zu sein. Doch wird diese Einstellung nur schwer akzeptiert von meinem Arbeitsumfeld, soweit schon das ich an mir zweifelte und deshalb bin ich ihnen für ihre offene, reflektierte Art sehr dankbar, denn sie bestätige, dass hinter dieser Art der Kommunikation oft Verletzungen stecken. Herzlichst Claudia.

    • Hallo Claudia

      Danke für Dein Feedback. Und danke, dass Du fühlst – es gibt so selten Menschen, die sich keine Hornhaut haben wachsen lassen.

      LG die Line

  3. Tim EidenbachReply

    Ich finde den Beitrag gut geschrieben und er gibt einen guten Einblick in die psyche. Ich wurde heute auch von meinem chef zynisch genannt. Wir haben ein sehr offenes Verhältnis jnd albern viel rum. Allerdings fühle ich mich bei manchen themen einfach unwohl. Vielleicht weil ich weiß das es einen besseren weg gibt, dies aber nicht immer präsentieren kann, um nicht die ganze Zeit als klugscheißer dahustehen. Deshalb halte ich mich dahingehend manchmal zurück an diesen Tagen fällt es mir dann immer schwerer nicht zynisch zu reagieren. Prinzipiell will ich dadurch meine innere verspanntheit lockern, was aber eher nach hinten los geht. Mein Kind hat sich sonst von den meisten Dingen schon gut geheilt, aber von dieser inneren unruhe lasse ich mich doch manchmal einfangen, besonders wenn es sehr heikle themen sind. Ich merke das passiert auch öfters wenn man sich etwas vornimmt aber es dann auch selbst nicht einhalten kann,. Ich glaube dass führt dann zu einer Art inneren Verletztheit, aus der man sich erst wieder befreien muss.
    Mit besten Wünschen
    Tim

    Ps den Satz mit Jesus finde ich super, da es genau das trifdt. Wir erwachsenen glauben immer schon alles zu wissen, dovh die kinder wissen eine Sache besser. Nämlich wie wird man wirklich glücklich

    • Lieber Tim

      Lieben Dank für Deine Rückmeldung.
      Und ich finde Deine Selbstreflektion super!
      LG die Line

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