Wir leben phasenweise in Portugal auf einem Selbstversorgergrundstück mitten im Wald in absoluter Alleinlage. Für uns ein Traum. Auf unserem Zentralgrundstück stehen sehr viele heimische Laubbäume und Obstbäume.
Am Rand unseres ca. 3 Hektar großen Grundstücks haben wir leider einen Eukalyptuswald. Dieser Wald entzieht mit seinen sehr langen, bis zu 20 Meter tiefen Saugwurzeln dem Boden viel Wasser. Dadurch können heimische Bäume auf Dauer nicht neben ihnen überleben, sie gehen einfach wegen Wassermangels ein.
Der Grundwasserspiegel sinkt, Quellen versiegen und die gesamte Gegend trocknet einfach aus. Gerade in den heißen und trockenen Sommern in Portugal brauchen auch die anderen Bäume Wasser, haben aber gegen den mächtigen Eukalyptus schlicht weg keine Chance.

Der Eukalyptus ist kein typisch portugiesischer Baum. Da er jedoch schnell wächst, wurde er mehr und mehr in Portugal eingeführt, denn er fährt durch sein extrem schnelles Wachstum (er wächst etwa dreimal so schnell wie eine Eiche) hohe Gewinne ein. Es geht einmal mehr um Profit. Welche Auswirkungen das auf Dauer haben kann, war bei der Einfuhr des Baumes wohl nicht bewusst oder einfach nur nebensächlich.

Zumeist wird er für die Papierproduktion verwendet, was für uns noch mal ein sehr starker Anreiz ist, unseren schon sehr umsichtigen Papierkonsum weiter drastisch einzudämmen! Denn wir spüren die Auswirkungen sehr direkt. Fast die Hälfte des gebrauchten Eukalyptuszellstoffs in Europa kommt aus Portugal! Für Portugal ist der Eukalyptus scheinbar also eine Art Goldgrube, doch auf wessen Kosten auf Dauer gesehen?!

Immer mehr Portugiesen verstehen nun, welche Gefahr diese Monokultur in sich birgt. Wo Waldarbeiter früher Korkeichen, Kastanien und Olivenbäume als „Arbeitgeber“ hatten, ist die Ernte der Eukalyptusbaumreihen heute fast nur mit Maschinen erledigbar. Die große, schwere Erntemaschine fährt einfach durch die Reihen und mit dem Greifarm werden die Bäume nach- einander gefällt, entrindet und auf Länge gesägt. Menschen sieht man in den großen Plantagen kaum. Und so verlieren viele Portugiesen ihre Arbeit.

Durch den flächendeckenden Anbau des Eukalyptus kommt es in Portugal immer wieder zu verheerenden Waldbränden. Oft stehen die Waldbesitzer selbst in Verdacht, ihren Wald angesteckt zu haben. Viele der Bauern haben eine Versicherung über ihren Waldbestand abgeschlossen, damit sie eine Entschädigung erhalten, sollte ihre Ernte abbrennen. Da der Baum alle 8-10 Jahre geerntet wird, kann es also rentabel sein, den Wald nach bereits 5 Jahren abzufackeln und somit doppelte Gelder einzustreichen bzw. schneller Geld zu verdienen.

Selbst die Helikopter Firmen und auch die Feuerwehr gerät häufig unter Verdacht der Brandstiftung, sind sie es doch, die von einem Brand leben. So zumindest wird unter einigen Portugiesen vermutet.
Oder es sind Firmen,  so vermutet man, die Ländereien aufkaufen wollen, um noch mehr Eukalyptus aufzuforsten und irgendwelche Kleinbauern weigern sich ihr Land abzutreten. Dann wird so manche Katze, laut den Portugiesen, schon mal als brennende Fackel durch die Wälder gejagt, indem man ihr etwas brennendes an den Schwanz hängt! Gerade im Sommer, wenn alles trocken ist, geht das dann alles rasend schnell und der Bauer wird so mürbe gemacht und zum Verkauf gezwungen.

Im Sommer 2013 erlebten wir solch einen Brand hautnah. Die im Eukalyptus enthaltenen ätherischen Öle bewirken ein extrem schnelles Feuer fangen.

Wir haben auf unserem Grundstück den Eukalyptusbaum aus diesem Grund verdrängt und bepflanzen nun nach und nach heimische Baumarten und auch Obstbäume. Auch wenn es uns schmerzt die Bäume umzusägen, sehen wir keine andere Möglichkeit mit dem riesigen Problem des Bodenaustrocknens und der Waldbrandgefahr umzugehen. Zudem gibt es kaum Tiere in einem Eukalyptus Wald, weil ihnen das geeignete Futter fehlt. Man hört keinen Vogel zwitschern, eine erschreckende, unnatürliche Stille.
Auch gegenüber anderen Pflanzen die dort eigentlich leben verhält sich dieser Baum sehr feindselig. Das Gift was in den Blättern enthalten ist ( Alkaloide und etherisches Öl), tötet jegliches Wachstum am Boden.

Wir haben die meisten gefällten Eukalyptusbäume für diverse Bauten (Stall, Toilettenhaus) benutzt, denn es ist sehr gutes Bauholz.

Alle in der Familie helfen dabei mit. Der junge Eukalyptus, den unsere beiden Jungs mit ihrer Handsäge ummachen ist gerade mal ein Jahr alt und nach dem Waldbrand gewachsen. Wie Unkraut schießen die Bäume aus dem Boden. Wenn man einen großen „Euka“ fällt, wachsen aus ihm mehrere Jungbäume. Erst nach der 3. oder sogar 4. Fällung kommt der Baum an seine Grenze des Überlebens. Das Land ist nach einer derartigen Eukayptusbepflanzung, wegen dem schlechten Boden der zurückbleibt, auf viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte nutzlos.
Man muss, um das zu verhindern, die komplette Wurzel entfernen, was manche mit schwerem Gerät (Bagger) bewerkstelligen (kostenintensiv) oder einfach Benzin (oder irgendwelchen Chemikalien) drüber gießen und ihn ausbrennen (ökologische Sauerei).

Wobei der Eukalyptus unwahrscheinlich resistent gegenüber Feuer ist. Der Same ist von einer feuerfesten Kapsel umgeben und ein Feuer hilft diesen Kapseln  lediglich beim Aufspringen nach einem Feuer und sie können in der verkohlten Aschenerde hervorragend keimen und schießen regelrecht in die Höhe. Daher auch vermutlich der griechische Name EU KALYPTOS, was so viel bedeutet wie: „Der Wohlbedeckte“.
Somit ist er schon relativ groß gewachsen, bevor irgendeine andere Pflanze nach einem Waldbrand überhaupt zu wachsen beginnt.

Es ist also ein riesiger Aufwand diese Bäume erstmal zu entfernen, um den neu gepflanzten Bäumen wieder die Möglichkeit zu erschaffen zu überleben, indem sie wieder genug Grundwasser finden.
Die schweren Wurzeln haben wir mit unserem Landrover abtransportiert, wenn wir sie denn überhaupt raus bekommen haben!

So kommen jedes Jahr etwa 20 Bäume hinzu. Nicht alle unserer gepflanzten Bäume sind gut angewachsen und haben so manchen dürren Sommer nicht überlebt. Dennoch stehen einige von ihnen und wir freuen uns sehr darüber. Und wir haben immer mehr Vögel auf unserem Grundstück, sowie Hasen, Wildschweine und Rehe.

Wer uns gerne in unserem Bemühen, heimische Baumarten anzupflanzen, unterstützen möchte, kann dies gerne mittels einer Spende tun. Bitte im Verwendungszweck das Wort BAUM angeben.

Das verheerende Feuer in Pedrogao Grande 2017 hat auch uns betroffen….