Nachdenkliche Gedanken über Portugal

Wir lieben Portugal. Ganz viele Sachen hier sind wundervoll. Und all die Jahre, in denen wir nun schon hier leben, haben wir uns mit den Waldbränden auseinander gesetzt und mit dem Risiko gelebt. Bisher sind wir verschont geblieben und die Flammen sind immer an unserer Grundstücksgrenze verstummt.

Doch die Angst ist da. Bei uns und in unseren Kindern. Das ganze Jahr hatten wir Rauch und immer wieder Feueralarm. Immer wieder neu die Angst, dass alles, was wir aufbauen in Minuten niederbrennt. Unsere Existenz sich in Asche auflöst..

Portugal hat dieses Jahr durch die verheerenden Waldbrände viele Menschen verloren. Nicht nur durch die Feuerflammen, die Hitze und den Rauch. Viele ziehen fort! Und viele überlegen es sich stark, ob sie wirklich nach Portugal auswandern wollen.

Denn die Gefahr ist groß. Und nach dem Feuer von Pedrogao Grande im Juni 2018, bei dem innerhalb weniger Stunden 30 000 Hektar Wald verbrannt sind – ist es noch dazu ein nicht wirklich einkalkulierbares Risiko.
Wir haben das am eigenen Leib erfahren.
Noch nie hatte ich um meine Familie solch eine Todesangst!

Mittlerweile wird es wieder grün. Und mit dem Grün kommt das Vergessen. Als wenn sich die Pflanzen auf das Herz der Portugiesen legen würde und es fein umschlingt und zum Vergessen anregt.
Der Regen gibt Schutz die nächsten Monate. Schutz vor Feuer.
Und wie wird es dieses Jahr aussehen, wenn der Regen auf den Boden findet und ungehindert die Hänge herunter fließt? Denn es gibt kaum Unterholz nach den Waldbränden?

Doch was ist im kommenden Sommer? Wie wird es uns gehen? Was, wenn dann die Sirenen heulen und Rauchwolken am Himmel sind?
Was ist mit all den wundervollen Aussteigern, die so tolle und kreative Häuser bauen. Meist illegal und daher nicht versicherbar? Sie alle bereichern dieses Land und die Wirtschaft. Aber wie sollen wir das tun, wenn in uns die Angst ist, alles zu verlieren? Den fahlen Geschmack in den Gliedern: „Für was baue ich das auf? Was, wenn nächstes Jahr die Flammen alles verzehren, was wir heute mühsam aufgebaut haben“

Ich muss gestehen – ich weiß es nicht. Das Feuer hat uns traumatisiert und wir verarbeiten all das Geschehene. Aber wie soll man etwas verarbeiten, wenn die Angst, dass das Selbe wieder geschehen kann, bleibt?

Wir haben alles gemacht, um unser Grundstück zu schützen. Bereits vor acht Jahren wurden alle Eukalypthus Bäume gefällt. Und mit Hilfe von Unterstützern konnten wir ganz viel aufforsten. Es bleibt noch soviel zu tun. Doch lohnt sich das?

Eine Frau weit über dem Rentenalter, die wir kennen, hat uns berichtet, dass alle Bäume, die sie gepflanzt hat verbrannt sind. All die Mühe, all die Arbeit und letztlich auch das Geld ist verbrannt und zu Asche geworden. Sie war so deprimiert – das Lebenswerk einer Frau mit einem Mal weg. Nur ein Aschehaufen ist ihr geblieben. Sie wird nie von ihren Bäumen ernten.

Immer dann versuche ich mir selbst Mut zu machen. Und dann fällt mir der Satz von Luther ein! Und das tröstet mich –

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Bäumchen pflanzen. 

Und wenn nicht für mich – dann für jemanden anderen. Auch wenn das gerade eher mein Verstand macht und mein Herz nach wie vor viel Unsicherheit spürt und der Politik misstraut, der es nur ums Geld geht, um Wirtschaftlichkeit.

Wie viele andere Deutsche, sind wir nach Portugal ausgewandert wegen der Natur. Weil es hier keine Atomkraft gibt und Weihnachten und andere Feste nicht künstlich hoch gehypt werden. Weil es noch nicht so sehr um Konsum geht und die Menschen Herz haben und Herz leben.
Wir sind in dieses Land gekommen und bringen, wie viele andere, Gelder in die Wirtschaft. Durch die Häuser die wir aufbauen.
Wir pflegen das Land, was einst die Portugiesen bewohnt haben. Die meisten, die wir kennen mit sehr viel Respekt vor dem, der es ursprünglich aufgebaut hat.

Aber auch hier wird nun Fracking starten und ob sich etwas verändern wird, was die Politik rund um den Eukalypthus angeht – steht in den Sternen.

Mich macht das alles sehr nachdenklich. Denn es geht um meine Familie, meine Kindern und unsere Existenz – und letztlich auch um unseren Traum.
Bisher haben wir uns sehr gut aufgehoben gefühlt – das alles hat einen Riß bekommen.
Und doch geben wir nicht auf! Wir bauen unser Hobbithaus aus und schauen nach Vorne. Es ist nicht immer einfach – manches ist eine Entscheidung.

Wie geht es Dir damit, wenn Du auch hier lebst?
Wie geht es Dir damit, wenn Du vorhattest / vorhast hier her zu ziehen?
Wie geht es Dir damit, der damit nichts unmittelbar zu tun hat?

Mich würde Eure Sichtweise dazu sehr interessieren

Hier nun ein Video, was zeigt, wie es auch bei uns ausgesehen hat. Nur das bei uns nichts auf dem Grundstück verbrannt ist. Aber diese schwarze Wüste und Rauchgeruch über Wochen hinweg –

3 Comments

  1. Liebe Line,
    dein Text berührt mich sehr. Ich kann die Zwiespälte sehr gut nachvollziehen, die du beschreibst. Aber ich denke auch an deine Handlungs-Empfehlungen in deinem E-Book „Aussteigen-Unmsteigen-Einsteigen“: Prioritäten setzen, immer wieder überprüfen was man wirklich will, nicht Probleme, sondern Herausforderungen sehen. Vielleicht gibt es auch hierbei einen Weg.
    Das Video ist hart, aber so ist die Realität nach den Bränden. Scheinbar gibt es einen ersten Anfang, dass die Menschen aktiv gegen die Brände bzw. die Ursachen werden wollen?
    Was ich noch nicht ganz verstanden habe: Was ist die Ursache für die Brände? Sind es Eukalyptus-Plantagen?
    Du erwähnst ausserdem, das nun in Portugal mit dem Fracking angefangen wird. Das hat mich noch zusätzlich schockiert.
    Herzlich
    Luka

    • Hallo Luka

      Danke für Deine Rückmeldung.
      Die Ursache der Waldbrände liegen auch in der Monokultur. Und auch im Euka – ja. Denn seine Rinde fliegt bei Wind viele hundert Meter weit und kann so wieder ein Feuer entzünden.
      Zudem biegt er sich. Und wenn dann ein starker Wind bis Sturm fegt – dann „legt“ sich der lange Euka zum nächsten Euka. Und so ist in kurzer Zeit eine Distanz von z.B 30 Meter überwunden – und das ist dann wie Domino. Geht rasend schnell. Und so war das im Juni 2017.

      Und Fracking – ist fast überall. Auch vor den Kanaren. 🙁

      Da Portugal keine Atomkraft hat – dachten wir – sie seien auch da vernünftig. Sind sie aber nicht. Auch hier geht es einfach ums Geld.

  2. Hallihallo,
    bin durch Zufall über euch gestolpert. Die Dankbarkeit, dass ihr eure Erfahrungen teilt haben mich nach langem Überlegen zu einem Kommentar hinreißen lassen…
    Die Menschheit hat sich nicht so weit entwickelt weil wir vor solchen Ereignissen (die in Zukunft sicher noch mehr werden) ständig geflohen sind.
    Als pragmatischer Bauprofi würde ich mich unter Rücksichtnahme physikalischer Grundgesetze den Gegebenheiten anpassen:
    * Den Brennstoff (aus dem Feuerdreieck) auf meinem Grund möglichst reduzieren, heißt nach Möglichkeit keine Bäume oder Holz im Gelände
    *Eigenen Pflanzenanbau möglichst auf schnell wachsende, einjährige Pflanzen beschränken, dann ist der Verlust auch relativ leicht verkraftbar
    *Hitze steigt auf, ich würde meine Bauwerke aus Stein zumindest teilweise eingraben, ähnlich dem Hobbithaus (hat auch noch viele andere Vorteile)
    *Was mir wichtig ist muss schnell transportierbar sein (Familie, Habseligkeiten, Tiere,…), auch ein Feuer ist irgendwann mal wieder aus
    Mir würden noch viele Sachen einfallen, ihr schafft das aber sicher selbst mit Leichtigkeit.
    Weiterhin viel Kraft für die Umsetzung eurer Ideen und Träume,

    herzliche Grüße aus Österreich,
    Rudi

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