Mindesthaltbarkeitsdatum?

Die meisten Dinge die wir kaufen haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum.
Als ich an Brustkrebs erkrankt bin (ich war damals 27 Jahre jung), stand ich irgendwann in einem Laden an der Kühltheke, mit einem Joghurt in der Hand.

Nachdenklich schaute ich das Mindesthaltbarkeitsdatum an. Es lag nicht allzu fern in der Zukunft und berührte mich zutiefst. Ich fühlte mich mit dem Joghurt verbunden, weil ich das Gefühl hatte, mein Mindesthaltbarkeitsdatum würde auf dem selben Tag liegen.
Nach der Diagnose Stellung war ich nicht in der Lage positiv zu denken und um mich herum war alles grau in grau.

Ich lief durch die Lebensmittelregale und schaute mir nachdenklich verschiedene Produkte und deren Mindesthaltbarkeitsdaten an.

War ich Wasser? Ketchup? Eine Dose Ravioli? Oder doch der Joghurt? Wie lange blieb mir noch, bevor ich „schlecht“ werden würde und meinen Zenit überschritten hätte?

Auch heute denke ich noch immer wieder an die Zeit der Krankheit. An die Zeit, in der mir bewusst wurde, wie endlich das Leben ist. Und dass wir kein Mindesthaltbarkeitsdatum auf uns Tätowiert bekommen haben, aber irgendwie doch auch unsere Zeit begrenzt ist.

Das wird mir jedesmal bewusst, wenn ich auf ein Mindesthaltbarkeitsdatum schaue.

Und manchmal denke ich mir, dass Menschen, denen das Mindesthaltbarkeitsdatum gesagt wurde (meist von einem Arzt, der ihnen attestiert, dass sie nur noch drei Monate zu leben haben), bewusst sein sollte:

Mindesthaltbarkeit bedeutet nicht, dass man das Produkt just an dem Tag nicht mehr verzehren kann. Es ist nur eine Definition, die irgendetwas schwammiges betitelt. Man kann sehr wohl auch über das Datum hinweg die Dinge noch (aus)kosten. Und es gibt viele Beispiele die beweisen, dann längst tot geglaubte jahrelang leben.

Alles ist relativ im Leben. Selbst das Sterben oder der vorhergesagte Tod. In diesem Sinne wünsche ich allen, die das betrifft Mut. Mut dem Mut zu vertrauen.
Denn letztlich haben wir alle immer nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum, auf dem der morgige Tag steht. Und nicht einmal der ist sicher. Auch in der Nacht könnten wir sterben.
Sicher ist nur, dass wir alle sterben werden – was immer auch dieses sterben bedeuten mag.
Also lasst uns leben, tanzen, küssen und uns freuen solange wir es können. Das Leben ist ein Geschenk.

Wüssten wir wieviel Zeit uns bleibt, würden wir erkennen, dass sie uns häufig wie Sand in den Händen zerrinnt. Es gibt Menschen, die leben 80 Jahre ohne zu leben. Und es gibt Menschen, denen bleibt nur ein kurzes Leben, aber dieses kosten sie mehr aus, als es der 80 jährige tun wird.
Daher spielt es keine Rolle, wieviel Zeit wir haben. Eine Rolle spielt es, wie wir die Zeit füllen. Ob wir ein erfülltes Leben führen.
Dieses Bewusstsein hat mich dazu ermutigt, meine Kinder als Freilerner zu begleiten.

Wenn Dich meine Geschichte interessiert, dann kannst Du sie in zwei Büchern nachlesen. Das eine Buch handelt eher von der Geschichte an sich in Biografieform. Das Vorwort schreibt meine heute fast 18 jährige Tochter, mit der ich damals schwanger war.

„Wenn die Welt sich weiterdreht“.

Frau am Steg

Das andere konzentriert sich eher auf die Thematik Brustamputation. Wie gehen wir als Frauen und auch als Gesellschaft mit dem Thema Brustkrebs um? Ich schreibe mit einem Zwinkern im Augen und mit einer Portion (Galgen)Humor –

„Dromedar oder Kamel? Beides sind tolle Tiere.“

Dromedar oder Kamel

Gerade die Auseinandersetzung mit Brustverlust liegt mir am Herzen. Kann man sich als Frau noch lieben und attraktiv finden, wenn man eine Brustamputation hinter sich hat?

Hier findest Du einen Podcast mit mir bei Diana Schulle – einem Ruhestand Coach. In diesem Podcast rede ich unter Anderem genau über diesen Joghurt mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum, von dem ich dachte, dass ich es mit ihm teile. Ich habe mich geirrt. Manchmal muss man nicht Recht haben!

1 Comment

  1. Wow! Oh ja mich interessiert deine Geschichte und die Person hinter diesen starken, ehrlichen und berührenden Worten. Ich bin Melanie – Mentaltrainerin und Bloggerin. Auch meine Geschichte geht mit Krankheit einher – einige Passagen deines Textes fühlen sich an wie Teile in mir. Ich würde dich gerne dabei unterstützen deine Geschichte nach außen zu tragen. Falls du Interesse hast – melde dich doch einfach via Mail oder über meinen Blog bei mir. herzliche Grüße Melanie – http://www.honigperlen.at

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