ÜberwinterN auf den Kanaren mit dem Wohnmobil

Wir leben ja in Portugal. Wer nun denkt, dass es dort immer schön warm ist, irrt. Die Winter sind meist sehr verregnet und die Luftfeuchtigkeit extrem hoch. Man kann der Wäsche beim Schimmeln regelrecht zuschauen. Vesperbretter aus Holz gammeln und selbst Anschnallgurte im Auto stocken.
Im Sommer 2013 gab es bei uns einen großen Waldbrand, der sämtliche niedere Vegetation um uns herum vernichtet hatte. Wenn es jetzt regnet, können die Wassermassen ungehindert in unser Tal fließen. Das bedeutet, dass unsere Wege und Gärten in Wasserfälle, Flüsse und Seen verwandelt werden.

Für uns waren diese beiden Umstände ein Grund einen Winter auf die Kanaren zu fahren und dort zu überwintern. Wir haben ja ein Wohnmobil und von uns bis zur Fähre, die auf die Kanaren übersetzt, sind es etwa 500 Km. Also nix wie der Sonne hinterher. Doch vorher mussten fast alle von uns erstmal ordentlich spucken, als wir bei starkem Wellengang auf die Inseln übersetzten.

Auf den Kanaren haben wir eine nette Familie kennengelernt. „Lück und Locke“ – ein freier Journalist mit einem blauen VW Bus, seiner Frau, den beiden Kindern und natürlich Locke, ein sehr freundlicher Hund und eine sehr sympatische Familie.
Gemeinsam haben wir ein paar Tage dort verbracht und lecker kanarischen Wein am Meer im Kerzenschein getrunken, während unsere Kinder in den Wohnmobilen neben uns schliefen.
Damals waren wir mit einem Sprinter unterwegs und haben in ihm mit acht Personen geschlafen. Zudem hatten wir ein Begleitfahrzeug, in dem unsere Lebensmittel und Gepäck gelagert waren. Nur der Sprinter allein hätte zu wenig Sitzplätze gehabt.

Oliver ist Buchautor von „Neues vom Nachbarn“ und freier Journalist und hat uns nun im Spiegel Online in seinem neuen Artikel erwähnt.

Wer den Artikel lesen möchte findet ihn unter folgendem Link.

Von den Kanaren haben wir nur zwei Inseln gesehen. La Palma und Teneriffa.

La Palma ist eine wunderschöne grüne Insel. Wir haben sehr viele Bananenplantagen gesehen und einen nicht mehr aktiven Vulkan besichtigt. Auf dem Lavagestein wächst eine besondere Rebsorte, die einen leckeren Wein (den Malvasia) hervorbringt.

Eine Faszination der Insel waren für uns die verschiedenen Wetterlagen. Je nachdem auf welcher Seite von der Insel man sich befindet, kann es regnen oder die Sonne scheint. Es gibt eine Verbindungsstraße, die man auf der einen Seite emporklettert und dann auf der anderen Seite wieder hinunter fährt. In einer Richtung führt die Straße durch einen Tunnel. Wir sind oft aus kaltem Regenwetter durch den „Zaubertunnel“ gefahren und auf der anderen Seite angekommen, war es schlagartig warm mit blauem Himmel und Sonnenschein.

Auf der Insel sind nur kleine Straßen, keine Autobahnen und sie wirkt nicht so touristisch wie manch andere Schwesterninsel. Es leben einige Deutsche hier. Das wird einem bewusst, wenn man die vielen deutsch geschriebenen Schilder sieht wie „Tierarzt, Naturkostladen, Werkstatt usw.

Ein Höhepunkt war ein Mann, der vor unseren Augen den Kanarischen Hirtensprung „Salto del Pastor“ trainierte. Bei diesem Volkssport kann man, mittels eines langen Stabes, in kurzer Zeit große Höhenunterschiede im Gebirge sicher und schnell überwinden. Das war sehr beeindruckend und wir hätten am liebsten mitgemacht, vielleicht beim nächsten Mal. Hier ein Video zu diesem tollen Volkssport:

Für 14 Tage waren wir dann auch auf Teneriffa. Diese Insel hat uns in keiner Weise zugesagt. Nachdem wir mit der Fähre angekommen waren, fuhren wir auf einer zweispurigen Autobahn an der riesige Werbeplakate für irgendwelche Touristen Events angebracht waren. Die Strände waren mit hässlichen Betonklötzen zugebaut und es gab kaum Natur. Lediglich im Landesinneren war es ruhiger und mehr Natur zu sehen.
Wir fahren nie einen Campingplatz an, sondern stehen immer wild. Auf dieser Insel war das fast nicht möglich. Irgendwann fanden wir dann doch einen Platz, an dem wir mehrere Tage blieben. Das Meer überflutet manchmal diese Stelle. Als wir dort waren, war das netterweise nicht der Fall.

Die Kanaren sind ein schöner Überwinterungsplatz für Wohnmobiljanten. Sicherlich werden wir dort wieder zurückkehren. Hier noch ein kleiner Auszug dessen, was unsere Kinder auf dieser Reise gelernt haben:

  • Geografie: Vulkaninsel Entstehung und Geschichte, Klimazonen dieser Insel, Gezeiten, Gesteinsarten…
  • Biologie: Südländische Vegetation (Zuckerrohr, Papayabäume, Drachenbaum, Avocadobäume), Monokultur (riesige Bananenplantagen), Ursprung von schwarzem und weißem Sand, Meerestiere (sie sahen zum ersten Mal Seegurken), Weinreben die am Boden auf Lavagestein krauchen (Malvasiawein), Seidenspinnerei…
  • Geschichte: Felsenmalerei der Ureinwohner, Salto del Pastor…
  • Englisch: Wurde immer wieder gesprochen, weil dort viele verschiedene Ausländer sind
  • Physik/Biologie: Das Verhalten von Speiseresten während das Boot schwankt…
  • Berufeschnuppern: Ein Kind von uns hat bei einem Casting zugeschaut und mitgemacht.
  • Sport: Viele Wanderungen durch ein Bachbett und in den Bergen, baden im Meer…
  • Sozial: Immer wieder das Einstellen auf neue Menschen und fremde Kulturen und GepflogenheitenDanke La Palma auch für die wunderbaren Menschen und Begegnungen.


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