Freilernern und die Angst vor den Konsequenzen

In Deutschland ist freie Bildung nicht erlaubt. Sie ist verboten und auf  legalem Weg somit kaum möglich umzusetzen.

In meinen Beratungen erlebe ich viele Familien, die sich Sorgen machen und gewisse Ängste haben. Und das erinnert mich an unsere Zeit, als wir noch in Deutschland gelebt haben.

Wenn Kinder gewisse Fragen stellen, ist es nicht immer einfach Antworten zu finden. Und gerade bei der Schulpflicht hören sich die Antworten auch sehr skurril an, wenn wir sie laut aussprechen.

So fragte mich damals unser Sohn:

„Mama, was passiert, wenn ich nicht zur Schule gehe?“
Die eigentliche Antwort darauf ist vielschichtig wie Lasagne. Jede Schicht macht mehr Angst. Eigentlich wollte ich auf diese Frage gar nicht antworten! Weil die Antwort auch mir Angst einflößte, mir den Hals zuschloß und Panik in mir aufsteigen ließ. Und ich war auch wütend auf die Antwort!

Wie kann es in der heutigen Zeit sein, dass freie Bildung immer noch so einen schweren Stand hat?
Wie kann es sein, dass in so vielen Ländern möglich ist, was in Deutschland unmöglich erscheint?

Kind mit Lichtern

In mir drin hörte ich damals jeden Tag drohend die  Antworten flüstern. Aber wenn ich sie meinem Kind gegenüber aussprechen musste, dann wurden sie laut – so LAUT!
Doch die Angst war immer da. Die Angst, dass es morgens an der Tür klingelt und irgendwelche Jugendmitarbeiter mit der Polizei meine Kinder abholen würden.

Die Ehrliche Antwort an meinen Sohn wäre also gewesen:

„Mein Sohn, wenn Du nicht zur Schule gehst, kann es sein, dass wir dafür Strafe bezahlen müssen. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wäre das die alleinige Konsequenz, würde ich sie gerne tragen.“

Stelle ich mir heute die unschuldigen Augen meines Kindes vor, wie es mir zuhört – dann stimmt mich das nachdenklich. Wie kann ein Kind folgende Dinge verarbeiten? Was macht ein Kind mit diesen Informationen? Darf ich das meinem Kind so sagen? Beraube ich es nicht seinem Urvertrauen? Wieviel ist gut und ab wann werden Informationen schädlich und wirken destruktiv und lähmend?
Wenn es mich schon lähmt als Mama, wie sehr würde es mein Kind belasten?

Denn eigentlich müsste ich sagen:

„Mein Kind, es könnte auch sein, dass Dich die Polizei abholt, um Dich in die Schule zu bringen.  Und wenn es noch schlimmer ist und Du nach wie vor nicht dort hingehen willst, können sie Dich aus der Familie nehmen und in eine andere Familie geben. Und es könnte auch sein, dass wir als Deine Eltern dafür ins Gefängnis müssen.“

Die Realität in Deutschland ist mittelalterlich. Und das Tragische ist, dass mich kaum einer versteht. Die meisten Menschen halten die Schulpflicht, die für mich ein Schulzwang ist, nach wie vor für richtig!

Überall da, wo sich mir die Nackenhaare hochstellen, frohlocken andere Eltern und bejubeln das tolle Schulsystem. Ich fühle mich wie ein Außerirdischer, denn ich sehe all die Dinge nicht, die sie sehen. Mein Blick ist anders.

Ich möchte zu meinem Kind sagen können:
  • Lerne wie es Dir Freude bereitet.
  • Lerne was Dich interessiert.
  • Lerne einfach so weiter, wie Du es bisher auch gemacht hast.

Ich möchte mein Kind nicht:

  • Morgens wenn es noch müde, ist aus dem Bett reißen.
  • Der Beurteilung und Abwertung anderer mittels Benotung aussetzen.
  • Dabei beobachten, wie es seine Freude am Lernen mehr und mehr verliert.
  • Mit Dingen beschäftigt sehen, die es nicht interessieren.
  • Seine Lebenszeit vergeuden lassen.

Doch das kann ich nicht. Nicht in Deutschland. Dort werde ich kriminalisiert, wenn ich meinem Kind diese Freiheit geben möchte.

Also muss ich:

Als U Boot Familie leben. Immer in Deckung.
Meinem Kind sagen, dass es erst nach Schulschluss nach draußen gehen kann, um zu spielen.

Doch wie lange ist dieser Zustand tragbar?

Wir durften zwei Jahre legal frei lernen. Mehr kannst Du dazu in unserem Buch: „Wildwuchs statt Baumschule“ nachlesen.
Vor wenigen Tagen saß ich mit unserem 9 jährigen Sohn zusammen und habe den Text für nachfolgendes Video aufgenommen. Er hat mir einen Text nachgesprochen. Wer aufmerksam zuhört, kann spüren, wie sehr dieser kleine Junge von der Vorstellung betroffen ist, welche Konsequenzen es haben könnte, wenn er nicht zur Schule geht und in Deutschland leben würde.

Das hat mich sehr berührt. Denn am Ende der Aufnahme weint er!
Wenn Schulpflicht zum Schulzwang wird, dann geht das tief in die Kinderseelen und wir machen unwahrscheinlich viel kaputt in den Herzen unserer Kinder, wenn wir sie zwingen dort hin zu gehen.

Aber auch die ständige Angst vor den Konsequenzen sind zermürbend. Für uns war die richtige Entscheidung Deutschland zu verlassen. Es war für uns nicht länger tragbar, in Deutschland zu bleiben. Wir sind der Schulpflicht entflohen und wurden so zu Deutschlandflüchtlingen aus politischen Gründen.

Für uns ist das im Nachhinein eine wundervolle Chance gewesen und es hat uns ein Leben beschert, das wir in vollen Zügen geniessen können.

Ich wünsche mir:

Das meine Kinder mit ihren Kinder den Weg der freien Bildung in Deutschland gehen können. Dafür setze ich mich ein. Dafür mache ich die Videos. Nachfolgend findest Du das Video von dem ich weiter oben geschrieben habe und darunter noch ein weiteres.

Wenn Dir die Videos gefallen und Du die Botschaft wichtig findest – hilf mir sie zu verbreiten! Teile, Teile, Teile das Video oder die Videos.
Und wenn Du mich und meine Arbeit noch mehr unterstützen möchtest, kannst Du das gerne per Patreon tun. Ganz unten siehst Du einen Link dazu.

Eine kleine Spende via Paypal ermöglicht es mir, professionellere und damit weitreichendere Videos zu gestalten:
Paypal: wildnisfamilie@gmx.de

Je mehr Aufklärung desto mehr steigt die Chance auf Veränderung. Für die Zukunft unserer Kinder!

Lieben Dank!

Buchtipp:

Ich wünsche Dir und Euch als Familie von Herzen, dass Ihr einen Weg findet, um frei zu lernen und frei zu leben.

 

6 Comments

  1. Genau das habe ich zu m einem Sohn vor fast 2 Wochen gesagt: Es tut mir sehr sehr leid, ich hab im Moment keine andere Lösung als dass du für die nächsten 4 Monate in die Schule gehst, denn ansonsten werden wir getrennt!“ … denn genau das hat mir die Richterin gesagt – Schule oder Heim – das ist meine Wahl. Ich lebe in Wien mit meinem Sohn, er ist 8 immer schon Freilerner und die Prüfung hat er nicht gemacht … im Vergleich zu Deutschland siehts aus als wär das nix und doch eh schon besser als Schulpflicht …. doch Freilernen und Externisten-Prüfung geht nicht wirklich … Hausunterricht und Prüfung ist okay … doch Freilernen war und ist unsere Wahl …. 4 Monate sind lange und doch so kurz, um dann ein neues Leben zu beginnen …. GRATULATION wie ihr das geschafft habt …. ich freu mich und es gibt Mut, dass ihr glücklich seid … HerzensGRUSS aus Wien!

    • Ich hoffe, dass sich etwas ändern wird – und ich setze mich mit meinen Möglichkeiten dafür ein. Denn das ist ja wirklich alles nicht so schön. Herzensgruß zurück <3

  2. Das Problem ist, so lange niemand oder nur wenige vor Ort in Deutschland für das Frei-sich-bilden kämpfen, dann wird sich garantiert auch nichts ändern. Es lohnt sich definitiv für diese Werte und Haltung einzustehen und gemeinsam den Behörden etwas entgegen zustellen. Das Exil ist ein Irrweg. Erfolge wie Frauenwahlrecht, Gleichstellung von Homosexuellen, die alle auf Basis der Würde erreicht wurden wären durch Exil nicht zustande gekommen!

    • Ich und viele andere werden unsere Kinder und uns als Familie nicht in Gefahr bringen. Wer das will kann das tun. Wer es nicht will ebenso. Jeder wie er kann und will. Und auch wir bewegen einiges – auch wenn wir im „Exil“ leben. 😉

  3. Oh, ist das berührend. Mir laufen gerade Tränen über das Gesicht.
    Du sprichst mir wirklich aus der Seele. Mein Sohn wird im Sommer eingeschult und ich sage dauernd, wie traurig ich das finde. Und wie unsinnig. Er lernt doch den ganzen Tag. Er will doch von selbst so viel wissen. Er fragt nach den Buchstaben und den Dinosauriern und wie die Wolken entstehen und warum es Vulkane gibt. Er kann sich stundenlang damit beschäftigen, etwas zu bauen oder ein Bild zu malen. Er tanzt für sein Leben gern. Er hat sich schwimmen selbst beigebracht. Das alles macht ihn doch aus: Die Dinge, die ihn interessieren und die er lernen möchte. Das soll jetzt alles vorbei sein? Und warum? Für die Sozialisation, höre ich überall. Ja, ich fühle mich auch wie ein Alien. Und hab so große Angst davor, dass er dieses Leuchten in den Augen verliert…
    Toll, dass Ihr es geschafft habt, auszusteigen! Mein Sohn freut sich noch auf die Schule. Und zumindest lernt er dort Englisch ab der ersten Klasse (ganz spielerisch, hoffe ich) und Spanisch aber der dritten. Ganz aufgegeben habe ich den Traum auch noch nicht…

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