Löwenzahn, Peter Lustig – wer kennt das nicht?
Ich gehöre zur „Peter Lustig Generation“ und fand seinen Bauwagen einfach toll!

Den minimalistischen Ansatz kann ich einfach nur genießen. Wenn man wenig zu verwalten hat, hat man so viel mehr Zeit, um Sinnvolles zu tun.
Heute lebe ich selbst in einem Bauwagen und bin super glücklich.
Mein Wagen heißt ALJOSCHA und war ein ehemaliger Orgelwagen. Dort war wohl eine Orgel einverbaut und durch die Bauweise hatte es eine wunderschöne Akustik, wenn man darin spielte.

Die Seiten sind herunterklappbar und das Dach lässt sich nach oben verschieben. Er sieht dann aus wie ein Verkaufswagen.
Vor allem im heißen Sommer in Portugal schläft man bei offenem Dach sehr gemütlich! Zumindest wenn man ein Moskito Netz über sich hat.

Die Außenverkleidung ist aus Lärchenholz. Sie ist etwa 100 Jahre alt! Alle 4-5 Jahre schleife ich das Holz von Hand etwas an beziehungsweise ab und streiche den Aljoscha dann neu. Der viele Regen im Winter würde das Holz, ohne diese Pflegemaßnahme, sonst schnell zerstören. Für einen Anstrich brauche ich etwa 3 entspannte Tage und es kostet maximal 50 Euro. Ich finde diesen Arbeitsaufwand völlig ok und zudem macht es auch noch Spaß. Hier sieht man Aljoscha kurz bevor ich ihn neu gestrichen habe: (Und auf dem ersten Bild sieht man in mit seinem neuen Anstrich….)

Der Bauwagen ist innen absolut dicht. Ich vermute, dass die LKW Plane, die auf dem Runddach angebracht ist, sehr gut dicht hält.
Mit einem kleinen Holzofen kann ich es sehr schnell wunderbar warm machen, wenn ich will sogar eine Sauna aus ihm machen. Ist also irgendjemandem aus meiner Familie kalt, im Aljoscha ist garantiert ein Platz, um sich aufzuwärmen.
Ich habe für das Ofenrohr einfach ein Fenster ausgebaut und durch das dadurch entstandene Loch, das Rohr geführt. Das ist natürlich nur so möglich, weil der Bauwagen fest steht. Würde ich rumfahren, müsste das alles anders gelöst werden.

Die individuellen und verspielten Fenster finde ich sehr schön. Sie wurden aus Schrottautos ausgebaut und lassen den Aljoscha zum Unikat werden lassen. Ich liebe es in der Nacht aus meinem Fenster im Bett hinauszuschauen und den Grillen bei ihrem Zirpen zu zuhören, die Sterne am Himmel entlangwandern zu sehen und im Sommer das Lichterkonzert kleiner Leuchtkäfer/Glühwürmchen zu beobachten. Ich fühle mich auf diese Weis viel näher mit der Welt um mich herum verbunden. Es gibt keine dicken Betonwände zwischen mir und dem aufregenden Geschehen in der Natur. Bei Regen schläfert mich das Regentropfenlied in den Schlaf.

Im Bauwagen gibt es eine kleine Küche. Die Küchenplatte wurde dabei in der Form des Baumstammes belassen, die Seiten also nicht begradigt. Jedoch benutze ich die Küchenzeile eher als Holzwerkstatt. Meine Leidenschaft ist es Indianerflöten und andere Kunstwerke aus Holz oder Naturmaterialien zu bauen. Oft sitze ich bei Kerzenschein auf dem Boden und schnitze, baue und werkle, während mein kleiner Sohn, im Bett neben mir, schläft.

Es gibt eine Luke, aus der ich nach draußen auf eine, am Aljoscha angebaute schöne Plattform, krabbeln. Hier kann ich im Sommer  unter freiem Himmel schlafen oder mich einfach zum Lesen zurückziehen. Sie ist so hoch, dass ich den Überblick habe, was um mich herum geschieht.
Mir fehlt noch eine Außentreppe zur Dachterrasse. Eine Idee wäre es, wie bei Peter Lustigs Bauwagen, eine Treppe mit Stühlen zu bauen.

Wobei ich sagen muss, dass ich meinen Bauwagen schöner finde, als den von der Sendung Löwenzahn. Ich war dort und habe ihn mir angeschaut und war enttäuscht.

Unter dieser Plattform befindet sich mein Bad. Es gibt dort einen Spiegel, ein Steinwaschbecken und  eine Außendusche.
Die Badewanne ist noch nicht benutzbar.
Unser Wasser kommt von einer Quelle direkt aus den Bergen. Durch ein etwa 500 Meter langes Schlauchsystem kommt es schließlich bei uns an. Im Sommer ist das Wasser, auf Grund der schwarzen Rohrleitungen, sehr heiß. Für den Winter möchte ich mir eine Kompostwarmwasseranlage bauen, damit ich dann auch schön warm duschen kann.
Die Badewanne soll erhöht stehen, damit ich unter ihr ein Feuer entfachen kann und auf diesem Weg das Wasser im Winter erwärmt wird. Das dafür notwendige Holz ist hier in großer Menge vorhanden.

Neben Aljoscha befinden sich ein kleiner Gemüsegarten, ein Erdbeerbeet mit etwa 60 Pflanzen und in einer alten Badewanne sind viele Kräuter gepflanzt.
Die Kinder finden bei mir also immer ein paar Erdbeeren oder Cocktailtomaten aus dem Gemüsegarten zum Naschen. Für mich ein kleines Paradies.

Ich bin so dankbar, dass unsere Kinder so frei aufwachsen können. Wir müssen keine Angst vor vorbeifahrenden Autos haben. Sie können den ganzen Tag herum toben und müssen auch nicht ständig leise sein, um irgendwelchen Nachbarn nicht auf die Nerven zu gehen, denn wir haben keine.
Es gibt hier auch kein „sich dreckig machen“, denn es gehört einfach dazu, in der Erde zu spielen und unsere Kinder machen sich also maximal „erdig“.
Da wir Wasser im Überfluss haben können sie ausgiebig mit diesem Element experimentieren, ohne das wir auf die Wasserrechnung acht geben müssten.  In Freiheit aufwachsen ist hier möglich.

Als wir uns Gedanken darüber machten auszuwandern, wollten wir in ein warmes Land ziehen. Es sollte in Europa sein und keine Schulpflicht haben, denn wir sind durch den Schulzwang quasi Deutschlandflüchtlinge.
Frankreich schied für uns aus. Vor allem wegen der Sprache, die sich zwar schön anhört, aber für uns schwer sprechen lässt. Da unserer Erfahrung nach Franzosen nur im Ausland fließend Englisch sprechen, aber in ihrem Land nicht mal ein Wort Englisch können, selbst wenn man einen Notfall hat, wären uns unsere Englischkenntnisse nicht nützlich gewesen.
Spanien kannten wir relativ gut, denn wir hatten dort insgesamt sechs Monate im Winter verbracht. Doch dort war uns die Polizei zu unfreundlich, die Menschen eher verschlossen und das Land sehr dreckig. Es lag immer viel Müll herum, auch wenn die Spanier im Zuge der Europäisierung langsam begannen Mülleimer zu platzieren.
Als wir am Nikolausabend an einem Strand mit unserem Wohnmobil standen, kam um 23 Uhr die Polizei angefahren und hat den gesamten Parkplatz geräumt. Er war voll mit überwinternden Wohnmobilen. Wir hatten damals fünf Kinder an Board und wurden durch das Gewummer an unser Fenster durch einen Polizisten aus dem Schlaf gerissen. Sie bestanden dann darauf, dass wir, trotzdem wir dadurch alle Kinder wecken würden, den Platz zu verlassen hatten. Wir mussten dann Nachts mit einem 6 Tonner herumfahren, um einen neunen Schlafplatz zu suchen. Das war ziemlich unangenehm.
Im Zuge dieser Reise fuhren wir dann einfach mal nach Portugal. Unser erster Eindruck von Portugal war: Es ist ein grünes, ursprüngliches, im Gegensatz zu Spanien, sehr sauberes Land und die Menschen sind aufgeschlossen, freundlich und überaus hilfsbereit, ebenso die Polizei. Wir haben uns sofort verliebt. Schnell war jedoch klar, dass wir nicht in den Süden, an die Algarve ziehen würden. Denn dort ist Homeschooling nicht erlaubt und es ist doch sehr touristisch.
Wir fanden dann in Zentralportugal das Fleckchen Erde, auf dem heute Aljoscha steht und welches wir nun unser Zuhause nennen dürfen.
Wir haben Kontakt zu einem Deutsch sprechenden Immobilienmakler. Er bietet sehr schöne Grundstücke an. Meist liegen sie in absolut idyllischer Alleinlage. Gerne vermitteln wir diesen Kontakt und bieten unsere Beratung bei Fragen was das Auswandern nach Portugal angeht an. Denn es hat durchaus zwei Seiten dorthin auszuwandern.

Und wie sooft bin ich in solchen Momentan dankbar, dass wir den Weg einer „Freilerner Familie“ gehen. Wie viel mehr Freiheit haben wir in unserer Lebensgestaltung?!

Der Weg ins Ausland ist viel einfacher, als man meistens denkt. Wie alles im Leben beginnt es mit dem ersten Schritt, der meist auch noch der Schwerste ist.

Wir hoffen denen von Euch Mut zu machen, die aus welchen Gründen auch immer mit dem Gedanken spielen ins Ausland abzuwandern. Was man bei uns sehen kann, sind verwirklichte Träume. Dazu braucht es weniger Mut, als eine Entscheidung, die man trifft, um dann einfach den ersten Schritt zur Verwirklichung zu machen. Diesem folgt dann der Zweite und so weiter – bis man schließlich angelangt ist.
Aus diesem Grund wünschen wir euch keinen Mut, sondern, dass ihr Euch entscheidet eine Entscheidung zu treffen.

Wenn Du sehen möchtest, wie wir noch so wohnen – dann schau Dir diesen Artikel an. Da stellen wir die Minijurte (ehemalige Saunajurte) vor.

Ein kleines Video von meinem Bauwagen 🙂

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