Merkel, Hitler und Griechenland?
Immer wieder haben wir erstaunte Gesichter gesehen, als sie erfahren haben, dass wir nach Griechenland fahren wollen.

Habt ihr denn keine Angst?

Diese Frage hat sicherlich mit der aktuellen und schon länger andauernden Thematik rund um die Europäische Union und der wirtschaftlichen Situation in Griechenland zu tun. Zumindest ist das meine Vermutung, denn schwerlich kommt die Frage, weil man Angst hat man könnte am Strand „Sand ins Getriebe“ bekommen, oder?

Als wir dann vor einiger Zeit erfahren haben, dass in einer griechischen Zeitung der Hitlervergleich mit der deutschen Bundeskanzlerin Merkel gezogen wurde, haben wir uns auch gefragt, wie die Griechen uns Deutschen gegenüber gestimmt sein würden? Wären da Wut, Neid oder andere Gefühle gegenüber uns Ausländern?

Nun sind wir bereits über einen Monat in Griechenland und daher ist es Zeit Resümee zu ziehen. Hier nun zunächst die Erfahrungen und Dinge, die wir aus zweiter Hand erfahren haben. Danach kommen unsere eigenen Erfahrungen:

Blume, Kunst, Foto

  1. Wir haben von einer Frau gehört, dass ein schon sehr alter Mann in Griechenland im Krankenhaus gestorben sei, weil er kein Geld mehr hatte, um Nahrungsmittel zu bezahlen. Er war wegen multiplen Organversagens eingeliefert wurde. Bis dato konnte er auf einem stückchen Land für sich Dinge anbauen, von denen er leben konnte. Aber durch die fortschreitende Gebrechlichkeit konnte er seine Felder nicht mehr bestellen und damit entfiel seine Lebensgrundlage und kein soziales Netz war im Stande ihn aufzufangen. Welche Tragödie!
  2. In einem Krankenhaus, erzählte uns auch eine Einheimische, würden bereits einfache Dinge wie „Handschuhe“ fehlen.
  3. Eine Schweizer Frau erzählte von Bekannten, die an drei Tankstellen Diesel verweigert bekommen haben, weil sie Deutsche seien. An einer hätten sie überteuert bezahlen müssen.
  4. Eine Frau aus Deutschland erzählte uns, dass ihnen mehrfach von Griechen das Wort Merkel gesagt wurde und gleichzeitig das Zeichen für „Kehle durschneiden“ gezeigt wurde.

Wie gesagt, sind das alles lediglich Dinge die wir gehört haben. Was wir erlebt haben ist folgendes:

  1. Zu 99,9 % freundliche, lächelnde, uns wohlgesonnene Griechen
  2. Ein betrunkener Grieche wurde mit dem steigenden Alkoholpegel unfreundlicher und aggressiver und aus diesem Grund sind wir einfach von diesem Ort weggefahren. Soweit wir erfahren haben, hatte er seinen Vater vor wenigen Tagen verloren und das erklärte zumindest seinen Alkoholkonsum.
  3. Einen „psychopathischen“ Tiroler, der ebenfalls das Gurgelzeichen im  Zusammenhang mit Frau  Merkel machte, uns danach fotografierte und diese Bilder auf Facebook mit der Überschrift: „Wie die Zigeuner leben die Merkel Deutschen“. (Er hat uns fotografiert, während ich mit meiner Tochter und den zwei Söhnen am Strand spielten. Was das mit Zigeuner zu tun haben soll, entzieht sich meiner Kenntnis, ist aber sicherlich nicht auch wirklich wichtig…..)

Brug, Haus, Kultur

Das waren also nun unsere Erfahrungen. Sie sind mit den Griechen durchweg positiv. Nur ein Tiroler schlug etwas aus dem Rahmen. Und der alkoholisierte Grieche, fällt nicht wirklich ins Gewicht.

Generell fällt uns persönlich eine Armut nicht wirklich auf. Viele Jugendliche fahren stundenlang mit ihren Mopeds durch die Gegend und auch Autos sieht man hier sehr viel. Da der Sprit in etwa denselben Preis hat wie in Deutschland, müsste man an dieser Stelle doch als erstes sparen, würden wir annehmen? Die streunenden Hunde sind wohlgenährt und bekommen immer wieder von den Griechen etwas zugesteckt. Solange diese Streuner keinen Mangel zeigen und versorgt werden können, vermuten wir, dass es den Griechen nicht allzu schlecht gehen kann. Zumindest den Griechen, die dort leben, wo die Hunde zumeist sind.  Doch natürlich fehlt uns der wirkliche Einblick in die Gesamtbreite Griechenlands um wirklich beurteilen zu können, wie es den Griechen geht.

Sie haben ja unwahrscheinlich viele Möglichkeiten Gemüse und Obst anzubauen und alleine aus diesem Grund sollte man annehmen, dass ein Überleben für eine Familie mit etwas Grundbesitz durchaus möglich sein müsste.

Wie immer spielt der allgemeine Lebensstandard eine wichtige Rolle. Wer viel Besitz hat, muss viel verwalten und hat auch dementsprechend viel zu verlieren. In unserem Luxus sind wir gefangen – irgendwann. Er kann uns dann binden und unterjochen, wenn das Geld knapp wird. Dann werden wir zum Sklaven unseres Besitzes und meines Erachtens hilft dann nur ein Befreiungsschlag. Sich frei machen von diesen Dingen und zu spüren, das Weniger oft wirklich Mehr bedeutet.

Wobei auch das relativ ist, denn wenn man sich selbst versorgt und mit wenig auskommt, aber aus alters,- oder gesundheitlichen Gründen wirklich nicht mehr in der Lage ist für sein eigenes Auskommen zu Sorgen und dann kein Netz an Nachbarn oder Familie zur Stelle ist…

Wir als Familie leben den „Luxus des Reiselebens“. Im Gegenzug dazu verzichten wir auf viele andere Dinge (manche würden sie als Annehmlichkeiten bezeichnen). Fast unser gesamtes Hab und Gut befindet sich in unserem Haus auf Rädern. Menschen, die uns nicht kennen, denken nun immer wieder: „Die sind reich“. Und immer wieder erleben wir Gefühle wie negative Eifersucht. (Es gibt ja auch konstruktive und daher positive Eifersucht). Wenn ihnen jedoch bewusst wird, dass wir nicht denselben Lebensstandard wie sie pflegen, also kein Reihenhaus mit vielen Elektrogeräten, Zentralheizung, Waschmaschine, zwei Autos auf dem Hof etc., dann relativiert sich so manches in ihren Vorurteilen. Jeder wählt sein Leben. Jeder ist der Gestalter dessen, was er tut oder sein lässt.Hütte, Schäfer, Alt

Was ich damit sagen will: Selbst wenn Griechen finanzielle Probleme haben, sie könnten freiwillig ein einfacheres Leben wählen und damit glücklicher und freier sein, als sie es sind, solange sie im Strudel des Konsums Sklaven dessen sind.

Wir leben sehr einfach. Waschen unsere Wäsche dann, wenn es möglich ist. Baden dann, wenn es sich ergib. Schwimmen einfach mit dem Strom des Lebens. Und wir sind glücklich damit, weil wir frei sind. Freiheit ist das höchste Gut des Menschen – gleichermaßen wie Gesundheit.

In diesem Sinne – jede Krise kann eine Veränderung hin zum Besseren bewirken. Wir entscheiden darüber. Und gerade finanzielle und wirtschaftliche Krisen bergen eine unwahrscheinlich große Chance für die gesamte Menschheit.

Was würde geschehen, wenn eine Woche lang jeder Mensch nur das kauft, was er wirklich benötigt? Und was würde geschehen, wenn diese Dinge dann auch noch als gebrauchte Ware oder bei privaten Menschen gekauft oder getauscht werden würde? Das ist aber zu weit gedacht….es ging ja um die Griechen….Landschaft, Landscape, Schön

Unser Resümee: Griechenland ist eine Reise wert – ein wunderschönes Land, und tolle, freundliche Menschen.
Hier kannst Du lesen, welches Ungeheuer wir in Griechenland entdeckt haben.

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